Was für ein superber Sommer-Sonntagabend in Berlin! Zu Fuß geht es entspannt von Friedrichshain die Brücke runter nach Kreuzberg, das Bier schmeckt, und die Stadt wimmelt nur so vor vergnügungssüchtigen Großstädtern und Touristen. Das sind die Momente, die man in diesem Moloch wirklich genießen kann, und verweilt noch auf eine Halbliter-Länge auf der Oberbaumbrücke mit Blick auf die untergehende Sonne. Ebenso entspannt sammeln sich die Punkrock-Kids vor dem ehemaligen Kino und wie so oft sind die Nicht-Berliner in der Mehrzahl. Zu einer anderen Jahreszeit, ohne all die Touris in der Hauptstadt, wäre solch eine Show wahrscheinlich nur halb so voll geworden. So lauscht man auf ein Stimmengewirr aus Spanisch, Italienisch, Französisch, viel Englisch, und auch ein wenig Berliner Schnauze. Die Stimmung ist im Vorfeld bereits top und bietet beste Voraussetzungen für einen heiteren Party-Abend.
Um kurz nach 10 erklimmen die sympathischen Kalifornier nach einem Porno-Soul-Intro die Bühne und bringen schon mit dem ersten Stück den vollen Saal zum kollektiven Abfeiern. Durch den geschickten Wechsel aus feurigen Uptempo-Songs und gechillten Offbeat-Nummern tanzt man sich geradezu in einen Flow, und das ganze Set wirkt sehr gut aufeinander abgestimmt. Immer wieder knallen quietschfidele Skapunk-Raketen in die hopsende Menge, dicht gefolgt von erholsamen Momenten in Form von atmosphärischen Reggae-Rock-Nummern, die mich in ihrer Formulierung immer mehr an die guten alten Sublime erinnern. Da herrscht pures California dreamin’ auf der Bühne, es fehlen nur noch die Palmen und eine seichte Pazifik-Brise. Der Sechser aus Santa Barbara ist mit den letzten Touren und Shows seinem musikalischen Ideal immer näher gekommen und verbindet Dub, Soul, (Punk)Rock, Dixie und Offbeats nahezu in Perfektion. Der wilde Skapunk der Anfangstage scheint da nur noch eine von vielen Einflüssen zu sein, viel mehr dominiert der Wille zu karibischer Authentizität, und man darf sehr sehr gespannt sein auf ein hoffentlich bald folgendes neues Album. Kingston, New Orleans und Santa Barbara reichen sich die Hände und wir schneiden nach einer halben Stunde die tropische Luft in Scheiben. Nach einer runden Stunde ist erstmal Pause, um dann noch mal eine halbe Stunde an Zugaben gereicht zu bekommen. Am Ende sind alle Anwesenden wohl genauso klitschnass wie superhappy mit dieser arschgeilen Party, die uns die Mad Caddies wieder einmal beschert haben.
Steven Gläser