Nach letztem Jahr, war es für mich gar keine Frage das ich dieses Jahr wieder zum THE FEST nach Florida muss und so wurde das Ticket geordert und der Urlaub geplant, bevor das Line-Up überhaupt wirklich stand. Noch etwas müde vom Pre-Fest ging es ab nach Gainesville, ca. 2 Std. nördlich von Tampa gelegen. Am offiziellen The Fest Hotel angekommen erwartete uns erst mal eine lange Schlange, wobei sich schnell herausstellte, dass der Check-Inn etwas besser organisiert war als im Jahr zuvor. Im angeschlossenen Flohmarkt wurde erst einmal gut zugeschlagen und nachdem wir in unser Hotel eingecheckt hatten ging es endlich los.
Wer den Bericht vom letzten Jahr gelesen hat weiß bereits, THE FEST ist nicht vergleichbar mit einem Festival wie man es aus Europa her kennt. Zum einen finden alle Shows in meist kleinen Clubs statt, die meistens nur einige wenige Gehminuten voneinander entfernt sind, zudem sind die Haus-Shows ein integraler Bestandteil und es verfügt einfach über eine unglaubliche Atmosphäre. Allein schon das laufen durch Downtown macht einfach Spaß, da einfach die Besucher aus aller Welt die Innenstadt wie ein Heuschreckenschwarm übernehmen und man fast überall nur in zufriedene und lachende Gesichter blickt.
Da ich für BATTLE! Im 1982 etwas zu spät dran war, ging es gleich zum Durty Nellys, wo eigentlich die DUDE JAMS um kurz vor 18.00 Uhr hätten aufspielen sollen. Die Bühne war aber leer und es sah nicht so aus als ob es gleich irgendwie los geht, also ging es spontan ins Rum Runners, wo SAFETY aus Tampa gleich dran sein sollten. Wirklich ein Begriff waren sie mir nicht, außer das ich gehört hatte das ihre neue Platte wohl bei Jumpstart Records, bzw. Ass Card in Europa erscheinen wird, was als Grund aber mehr als ausreichte sie sich anzuschauen. Sie boten kraftvollen Punkrock, nett aber auch nicht komplett umwerfend. In diesem Jahr hatten bis auf ein paar Headliner im The Venue ausgenommen 30 Minuten Spielzeit, wobei ich mir die letzten Minuten sparte um rechtzeitig bei THE RIOT BEFORE im Atlantic zu sein. Punkt 19.00 legte die Band aus Richmond los und mit um die 300 Leute war der Laden auch schon mehr als gut gefüllt. Das Set war identisch mit dem zwei Tage zuvor in Orlando und ähnlich gut, wofür auch die Leute sorgten die zahlreich mitsangen und gut abgingen.
Dann ging es wieder rüber zum Durty Nellys, der fast den ganzen Abend ein richtig gutes Programm hatten mit Bands wie TOO MANY DAVES, JONESIN oder eben auch ARMS ALOFT, die als Nächstes dran waren. Das was ich auf MySpace von der Band aus Wisconsin gehört hatten, hatte mir richtig gut gefallen, so das ich sie auch z.B. IN THE RED vorzog, die gleichzeitig spielten. Live konnten sie aber nicht ganz das halten was ich mir von ihnen versprach, auch wenn sie alles andere als schlecht waren, aber ich hatte einfach eine Band erwartet die kraftvoll und selbstbewusst zur Sache geht und statt dessen standen sie eher etwas schüchtern in der Gegend rum und schafften es gerade so den Level an Power und Aggressivität der Aufnahmen zu erreichen, als ihn locker zu übertreffen wie es ja Live normalerweise der Fall ist. Wer weiß – vielleicht habe ich auch einfach etwas zu viel erwartet.
Nach dem Ende ging es dann zurück ins Rum Runners, wo TURKISH TECHNO aus Kalifornien dran waren, die allen zeigten wie man es macht. Spielerisch bestimmt nicht ganz so gut, aber sie gaben einfach Gas, hatten Spaß und machten ordentlich Druck und lieferten auch eine unterhaltsame Show. Sie hatten weniger Mikros als sie brauchten und so wurde diese bei fast jedem Song rumgeschoben, eigentlich kein Problem, würde mal die ganze Band wissen welcher Song überhaupt folgt. Im Gegensatz zur Show am Tag zuvor spielten sie an diesem Abend auch „Little Lies“, mit Abstand mein Lieblingssong von der band aus Riverside. Etwas überrascht waren sie auch als sie von der Bühne wollten und der Stagemanager meinte das sie fast 10 Minuten zu früh fertig sind und so wurden einfach noch zwei Songs hinterher geschoben.
Auch wenn ich mit SMALL BROWN BIKE auf Platte bisher nur bedingt warm geworden bin, wollte ich mir die wohl einmalige Gelegenheit sie mal live zu sehen nicht entgehen lassen und so ging es ab ins The Venue, dem mit Abstand größten Club. Allerdings hat er auch nicht wirklich viel Atmosphäre, zum einen weil die Bühne nur maximal die Hälfte der Länge des Raums einnimmt und zudem keine wirkliche Lichtanlage vorhanden war. Das kommt einer Band wie SBB eigentlich ja nicht wirklich zu Gute, denn ihr Sound lebt ja nicht zuletzt von der Atmosphäre, aber allein das Publikum machte das wieder weg. Man merkte einfach das unzählige Leute lange darauf gewartet hatten die Band wieder oder überhaupt mal live zu sehen und so wurden viele Songs auch inbrünstig mitgesungen. Zwischendurch gab es auch mal zwei neue Songs, die sich vom Stil her nicht groß vom Rest unterschieden und zum Ende ihres 40-Minütigen Sets packten sie mit „The Cannons and the Tanks“ noch einen richtigen Kracher aus.
LIGHTYOURSELF ON FIRE auf der Nebenbühne sparte ich mir und A WILHELM SCREAM waren als nächste dran und die legten auch gleich los wie die Feuerwehr, so wie man es eben von ihnen auch kennt und gewohnt ist. Der Pit tobte ab der ersten Sekunde und an Stagedivern mangelte es auch nicht. „The King is Dead“ kam gleich fast zu Beginn, ähnlich wie „Me Vs. Morrissey“, „The Horse“ oder „The Rip“. Es wurden auch Songs von der neuen EP zum besten gegeben, die noch im November erscheinen wird und auch an diesem Abend bestätigte sich wieder, dass sie noch einen Tick härter geworden sind und live noch etwas besser.
Im Atlantic folgten danach THE MENZINGERS, die für mich im Jahr zuvor schon die beste Show des Fest's gegeben hatten, nicht zuletzt weil das Publikum so schön ausgetickt und mitgegangen war. Natürlich hoffte ich auch eine Wiederholung und ich wurde auch nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil, denn so was wie die folgenden 20 Minuten hatte ich persönlich noch nie erlebt. Die Leute drehen ab dem ersten Tönen komplett durch und die niedrige Bühne die auch in einem Halbkreis ins Publikum ragte, war ab der ersten Sekunde voll mit Leuten, die mit der Band mitsingen wollten. Zwischenzeitlich waren bestimmt 30 – 40 Leute auf der Bühne und noch mehr wollten eigentlich mit rauf. Die Leute die ab dem dritten Song versuchten etwas Platz zu schaffen, bemühten sich fast umsonst, denn selbst wenn sie etwas Platz geschaffen hatten, dauerte es nur bis zum nächsten Refrain bis die die Leute nicht mehr anders konnten als sie wieder zu stürmen um die Möglichkeit zu haben mit in die Mikros zu brüllen. Höhepunkt war dabei sicherlich „A Lesson In The Abuse Of Information Technology“, bei dem es auch nicht störte das die Band kaum noch zum mitsingen kam, gut 100 Leute im Publikum erledigten den Job in einem einzig großen Chor für sie. Im ganzen Chaos war der Stagemanager allerdings etwas überlastet und konnte die Uhrzeit , bzw. Zeitplan nicht mehr richtig lesen und schickte die Band nach 20 Minuten von der Bühne, obwohl sie eigentlich noch 10 weitere gehabt hätten.
Danach brauchte ich erstmal frische Luft und eine Pause, so dass ich das Atlantic wieder verließ, obwohl mit THE GHOST und POLAR BEAR CLUB noch zwei nette Bands an standen. Da es schon massig Gerüchte gab das CRIME IN STEREO abends im Warehouse spielen, ging es für mich gemütlich zurück ins Venue. GIVING CHASE waren dort auf der Seitenbühne dran, wobei sich schnell zeigte das der Sound nicht der Wahre war und irgendwie klang es so als ob die eine Box halb kaputt wäre und was vor allem zu Lasten des Gesangs ging. Schade, denn die Band gab gut Gas und bemühte sich redlich und ging ordentlich ab. Die Altmeister von 7 SECONDS folgten und lieferten eine ordentliche Show ab. Hits wie „Young until I die“ und „Walk Together, Rock Together“ kamen gut verteilt, aber verhältnismäßig früh im Set und ähnlich wie seiner Soloshow vor kurzem in Berlin, überzeugte Kevin auch hier wieder durch seine sehr sympathischen Ansagen. Allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt meinen persönlichen toten Punkt, so dass ich die Show nicht so wirklich genießen konnte.
Gegen 1.30 war dann Schluss mit dem offiziellen Programm, aber wie jedes Jahr gab es auch wieder eine ganze Reihe Haus-, bzw. Warehouseshows, wobei die größte wieder von Failsafe Records veranstaltet wurde. Da sie zu recht vermuteten das die Halle vom letzten Jahr zu klein werden würde, zogen sie auf dem Gelände um, in ein weitaus größeres Lagerhaus. Das einzige was dort wirklich störte, war das helle Licht, dass sich auch nicht runter regeln lies und als erste Band fingen dort die HAND GUNS an zu spielen. Die Band war laut eigener Aussage extra 8 Stunden nach Gainesville gefahren, nur um eben diese Warehouse-Show zu spielen und irgendwo zwischen Punkrock und Hardcore lieferten sie auch ein nettes Set ab. Es folgten STATUES FAUX, eine weitere Band die gar nicht offiziell auf dem Fest spielten und nicht nur optisch wären sie als Support von Bands wie Rancid oder Leftöver Crack etwas besser aufgehoben gewesen. Es gab straighten Streetpunk, der nicht besonders aufregend war.
Zu den Hausshows gehört es auch, dass meistens niemand inklusive der Veranstalter so wirklich weiß, wer überhaupt, bzw. als Nächstes spielt und wenn man Glück hat, erkennt irgendjemand wer da gerade aufbaut oder dran ist, bzw. versteht den Namen wenn die Band ihn durchsagt. So kam es auch das jeder erst dachte Bridge and Tunnel wären die Nächsten, weil Frontfrau Tia ihre Sachen aufbaute, wobei sich dann irgendwann herausstellte, dass es sich um ihre andere Band FELLOW PROJECT handelte, die da gerade am Werk sind. Musikalisch fand ich sie persönlich allerdings nicht allzu umwerfend. Das Ratespiel setzte sich danach gleich fort, denn der Drummer von Latterman/ Bridge and Tunnel, baute zusammen mit dem Gitaristen von Jonesin & Ex Off With Their Heads und dem Bassisten von den Monikers seine Sachen auf. Wie sich dann herausstellte haben, sie zusammen eine neue Band namens THE STOLEN PARTS die wie nicht anders zu erwarten etwas rauerer Punkrock boten, wobei das Tempo eher etwas gesetzt war und nicht ganz so schnell, wie man es anhand ihrer anderen bzw. ehemaligen Bands hätte vermuten können.
Dann waren endlich CRIME IN STEREO dran und der Lagerraum brannte ab der ersten Sekunde. Während die Leute interessiert, aber eher reserviert den Bands zuvor gelauscht hatten, ging es bei ihnen mehr als ordentlich ab. Bis auf einen etwas ruhigeren Song ließen sie es ordentlich krachen, um sie herum gab es einen großen Moshpit, der jedes Wort mitsang, wobei ich einfach nur glücklich war, endlich mal „Slow Math“ live zu hören. Wie auch die anderen Bands hatten sie nur gut 20 Minuten, aber da sich die umbauten jeweils etwas hingezogen hatten war es bereits nach 4 Uhr und so ergriff ich eine Mitfahrgelegenheit zum Hotel, auch wenn es Gerüchte gab, dass O'PIONEERS, THE MENZINGERS und THE RIOT BEFORE noch bereit standen zum spielen.
Kai Wydra