Punkrock Bowling / All / Dropkick Murphys / Aggrolites, The
ein Parkplatz in Las Vegas
Besucher: ausverkauft - am 28.05.2011
 

Punkrock Bowling, Tag 1

Schon im vergangenen Jahr waren wir schwer versucht, zum Punkrock Bowling nach Las Vegas zu fliegen - das Line-Up mit Bands with TSOL, Youth Brigade oder Fucked Up (neben Me First And the Gimme Gimmes, NOFX oder Flogging Molly) war doch arg verlockend. Weil ich aber gerade erst aus den USA zurückgekehrt war, konnten wir beim besten Willen nicht auch noch nach Vegas fliegen. Schade eigentlich. Diesmal aber sollte das anders sein, jetzt wo ich ohnehin in New York wohne und der Flug "nur noch" fünf Stunden dauert.

Aber was ist Punkrock Bowling überhaupt? Das Festival verbindet - nun, nicht überraschend - Punk und Bowling. Tagsüber kann man sich mit anderen Punks (wie Fat Mike) beim bowlen messen, sofern man einen Platz bekommen hat. Ab dem Nachmittag gibt es dann ein großes Punkrock-Festival, dem sich Club-Shows bis weit in die Nacht anschließen. Gegründet wurde das Festival von Better Youth Organization, dem Label hinter Youth Brigade. Diesmal spielen unter anderem All, Descendents, Dropkick Murphys, Cock Sparrer, Undertones, Agnostic Front und etliche andere Bands.

Donnerstag spät in der Nacht kommen wir endlich an; wegen Unwettern hatte unser Flug Verspätung und musste dann auch noch einen längeren Umweg fliegen. Aber für Freitag haben wir ohnehin kaum Pläne - ein wenig Geld verspielen im Casino (Stand Sonntagfrüh: Wir sind 15 Dollar im Plus!) und dann die Tickets abholen. Das wird ein abendfüllendes Programm - so schlecht organisiert habe ich die Ticketabholung noch nie erlebt.

Das Festival verlangt, das jeder persönlich seine Karten abholt (mit Ausweis). Das ist einerseits eine gute Idee, weil damit vielen Abzockern zumindest teilweise das Geschäft abgegraben wird. Wer es andererseits kurzfristig nicht nach Vegas schafft, hat Pech gehabt - es gibt keine Möglichkeit, Karten zu verkaufen.

Das ist aber noch nicht das Problem. Das Problem ist, dass die Tickets in persönlichen Umschlägen stecken, die die überforderten Mitarbeiter suchen müssen. Und wer Festivalkarten und Clubtickets gekauft hat, bekommt mehrere Umschläge (wir bekommen drei). Die müssen natürlich einzeln gefunden werden. Warum es nicht eine einzelne Liste mit allen Bestellungen gibt, in der der Name abgestrichen wird, und warum man dann nicht einfach Karten aus einer zentralen Kiste verteilt, versteh ich nicht. Vielleicht denke ich da zu organisiert und zu deutsch (und zu sehr als ehemaliger Veranstalter).

Wie auch immer, wird warten vier Stunden (!!!), bis wir unsere Karten haben, was die California-Punks, die mit uns in der Schlange stehen, mit viel Gleichmut hinnehmen (immerhin lernen wir so einige andere Besucher kennen). In Berlin hätte man vermutlich nach zwei Stunden die Karten sozialisiert. Pech haben die, die am Freitag die Opening-Bands bei den Eröffnungsshows sehen wollen - immerhin Bands wie Scandals oder Buck-O-Nine, auch Drag The River spielen relative früh. Die meisten dürften die Shows verpasst haben.

Wir verzichten auf Konzerte an diesem Abend, obwohl ich mir Drag The River oder 7 Degrees Of Stephen Egerton (die erste von vier Bands mit Egerton an diesem Wochenende) durchaus gerne angeguckt hätte. Aber wenn man in Vegas ist, muss man schon mal ein paar Dollar in eine Slot-Maschine stecken, die es hier überall gibt. Und nach vier Stunden warten, brauchen wir auch was zu essen (was als Vegetarier in Vegas mit viel Suchen verbunden ist)

Für uns geht's Samstag los. Dirty Filthy Mugs, die Opener, sind nicht weiter erwähnenswert - Dropkick-Murphys-Möchtegerne. The Grim klingen schon besser, aber der erste Höhepunkt an diesem Tag sind für mich Off With Their Heads. Da hatte mich schon das Album auf No Ida überrascht, das ich irgendwann mal zum Rezensieren bekommen habe. Auch wenn ich nur dieses Album kenne, beeindruckt die Show an diesem Nachmittag.

Weiter geht's mit Krum Bums (Street Punk), Filthy Thieving Bastards (Swinging Uters Seitenprojekt, Michele mag es, weil es so lässig ist, ich find's langweilig) und Aggrolites. Kai wird mich dafür schlagen, aber ich kann der Band nur bedingt was abgewinnen - wenn die Gruppe rockt, ist sie gut, aber Reggae ist grundsätzlich nicht meine Baustelle.

Stiff Little Fingers hingegen sind klasse. Als ich die Band das letzte Mal (noch im Trash) gesehen habe, hatte ich den Eindruck, dass ich sie gerne höre, aber nicht unbedingt sehen müsste. Diesmal aber war die Show ausgesprochen energiegeladen und äußerst sehenswert (Michele, die ein großer Fan und regelmäßiger Konzertbesucher ist, findet sie sogar so großartig wie lange nicht mehr). Als Gast ist übrigens John Hagerty von Pegboy/Naked Raygun dabei, da der SLF-Gitarrist offenbar krank ist. Natürlich gibt es alle Hits, die die Gruppe in rund 45 Minuten unterbringen kann ("Gotta Getaway" fehlte).

Dropkick Murphys - nun, ich habe mein Interesse an der Gruppe verloren, als der alte Sänger Mike die Band verließ. Wann war das, vor zehn Jahren? Wann immer ich die Gruppe höre (etwa, als "I'm Shipping Up to Boston" in "Departed" auftauchte), finde ich sie nett, aber ich würde nicht zu einer Show gehen - wenn sie denn nicht auf einem Festival wie diesem auftauchen. Die Bands ist an diesem Abend gut, aber ich kenne keinen einzigen Songs, von den irischen Sauf-Liedern, die sie covern. Ich bin dann auch vorzeitig gegangen, um mir die erste Club-Show anzuschauen.

Im Azur Tequila spielen anschließend All und "Verwandte" - in jeder Supportband gibt es ein All-Mitglied. Slorder ist Stephen Egertons Instrumentalband. Klingt wie die experimentelle Seite von All (also wie die Platten der frühen Neunziger), minus Gesang eben. Endless Monster wiederum ist Karl Alvarez' andere Band - da Alvarez bei All und Descendents die Backing Vocals singt, kann man sich ungefähr vorstellen, wie das klingt).

Wann habe ich das letzte Mal Down By Law gesehen? Kann durchaus schon anderthalb Jahrzehnte her sein, zumal das letzte Album, das mich interessierte, "Blue" war - und das ist fast zwei Jahrzehnte her. Die Band tritt im Line-Up von "All Scratched Up" (1996) an und spielt viele Songs von dieser Platte, wie "Independence Day" oder "All American". Sänger Dave Smalley ist Teil der "conservative Punk"-Bewegung in den USA, weshalb ich seine Ansagen teilweise zweifelhaft finde. Wenn er davon erzählt, wie toll die Punk-Bewegung im Vergleich zu "da draußen" ist, muss ich daran denken, wie die Konservativen in den USA alles dafür tun wollen, die sozialen Bedingungen in diesem Land zu verschlechtern. Ist Smalley also Teil von "hier drinnen" oder doch eher "da draußen"?

Aber bevor man sich zu sehr in diesen Gedanken verliert, fangen schon All an und spielen ein dreiteiliges Set, da alle drei Sänger anwesend sind - neben Smalley und dem "aktuellen" Sänger Chad Price auch Scott Reynolds.

Der kürzeste Teil ist der mit Dave Smalley, der ja auch nur auf einem Album gesungen hat - "Pretty Little Girl", "Paper Tiger", "Just Perfect" gibt es aus dieser Phase (unter anderem, am Ende des 90-minütigen Konzerts kann ich mich nicht mehr an alles erinnern).

Chad ist als nächstes "dran" - er ist der Sänger, der am längsten in der Band dabei ist, und vermutlich ist er auch der beste von allen dreien, auch wenn ich die komplexen Titel mit Scott Reynolds liebe. Chad singt entsprechend auch den größten Teil des Abends. "Original Me" und "Guilty" gibt's zum Beispiel von "Breaking Things" (aber nicht "Shreen"), "Broken", "Miranda", "Stalker", "This World" oder "Broken Things" von "Pummel", "World's on Heroin", "Fairweather Friend" oder "Until I Say So" von "Mass Nerder". Und von "Problematic" waren unter anderem "She Broke My Dick" oder "Lock Em Away" (wie gesagt, diese Liste ist unvollständig) zu hören.

Während Chad eine energie-geladene Show spielt, bei der auch sein T-Shirt drauf geht, ist Scott Reynolds anzumerken, dass er mit der Gruppe lange nicht mehr geübt hat. Er trifft bei den komplexeren Titeln nicht jeden Ton, hat aber sichtlich Spaß an der Show. Die Poppunk-Titel sind aber auch einfacher zu merken. "Minute" gehört dazu, "Mary", "Scary Sad" oder "Bubble Gum". Bei "Frog", "Simple Things" oder "Just Like Them" hat er größere Probleme.

Trotzdem - was an diesem Abend so toll ist, ist die Tatsache, dass hier jeder glücklich mitsingt. Neben mir steht ein älterer California-Punker mit seinem Sohn, daneben ein Typ, der wie ein Biker wirkt. Wirklich alle sind begeistert und singen (nach den Descendents heute Abend kann ich wohl nicht mehr reden). Und vollauf begeistert sind natürlich alle, als All endlich "She's My Ex" spielen - auch wenn das natürlich der Schlusspunkt unter diesen ersten elf Stunden Punkrock Bowling sind. In ein paar Stunden geht's weiter...


Dietmar Stork



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Zu den Kommentaren (4)

#4 aggrolites am 02.06.2011 um 03:37 Uhr
wo rocken die denn? die spieln nur reggae du banause.
#3 Dietmar am 31.05.2011 um 20:23 Uhr
@2 - ja, das bin ich :-)

Wer bist du?
#2 @Dietmar am 31.05.2011 um 19:47 Uhr
Bist Du der D.Stork aus dem ZAP-Magazin? Gott, is das lange
her. Arbeitest Du noch bei nem Label oder Freiberufler?
#1 persson am 31.05.2011 um 09:30 Uhr
Richtig guter Bericht zu einem anscheinend klasse Abend. Ich
als All-Fan wäre gerne dabei gewesen!
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