Punkrock Bowling / Agnostic Front / Dwarves, The
ein Parkplatz in Las Vegas
Besucher: ausverkauft - am 30.05.2011
 

Am dritten und letzten Tag von Punkrock Bowling setzt eine gewisse Festivalmüdigkeit ein. Abgesehen von den Dwarves gibt es heute angesichts der Absage von Killing Joke keine Band, die wir unbedingt sehen müssen. Heute hätten wir auch gut und gerne am Hotelpool abhängen können. Aber die Dwarves wollen wir natürlich nicht verpassen.

Stagger And Fall, Reducers SF (bei denen ich mich an eine okaye Platte erinnere) und Citizen Fish lassen wir aus, zu Manic Hispanic kommen wir zum Festivalgelände. Allerdings sind die Sicherheitsmaßnahmen heute nochmals verschärft worden, so dass zumindest ich komplett durchsucht werde. Heute gibt es zwar kein Abtasten im Flughafen-Stil mehr, dafür aber guckt der Bouncer in jede letzte Ecke meiner Geldbörse. Immerhin dürfen wir heute unseren Rucksack mitnehmen.

Den größten Teil des Manic-Hispanic-Sets verpassen wir deshalb. Schade, denn die Cover-Versionen, die die Satire-Kapelle mit Mitgliedern der Adolescents, Agent Orange und anderer Bands spielt, klingen gleichzeitig lustig und gut. "I'm Not A Loser" und "Ruby Soho" hören wir noch, anschließend bringt die Band das Publikum zum Mitklatschen und Mitsingen. Klasse. Michele hat am Samstag noch ein Seitenprojekt der Band gesehen, A Flock Of Goo Goo; dabei werden Achtziger-Hits gespielt. Das war genauso unterhaltsam.

Auf die Dwarves haben wir mit Spannung gewartet. Die Band hatte zuvor ein neues Album veröffentlicht ("The Dwarves Are Born Again"), von der ich nur einen Song kenne (gab's beim Festival als Vinyl mit DVD, Download-Code und im Paket mit einem Shirt für nen Zwanni, so dass ich am Ende der Reise sagen kann, mehr für Merchandise als fürs Gamblen ausgegeben zu haben).

Zunächst eine Enttäuschung: Hewhocannotbenamed ist nicht mehr in der Band, und die Dwarves treten komplett bekleidet auf (er hat später dann doch noch einen Gastauftritt, allerdings mit Lederteilchen vor seinem besten Stück; hier in den USA sind Auftritte ohne Klamotten eher ein Wagnis). Bassist bei der Show ist übrigens Nick Oliveri von den Queens of the Stone Age.

Die Setlist besteht aus so ziemlich allen Titeln, in denen das Wort "Fuck" vorkommt. "Fuck You Up And Get High", "Let's Fuck", "Fuck 'Em All", "Who's Fucking Who", "Fuck Around", außerdem gibt es "I Masturbate Me" vom neuen Album und natürlich den Hit "Anybody Out There". Das Konzert ist großartig, und wir sind beeindruckt, wie textsicher die Fans sind, die Blag Dahlia singen lässt. Vor allem ein kleiner, vielleicht zwölfjähriger Junge, den die Dwarves auf die Bühne holen und der ein komplettes Lied alleine singt, ist unglaublich. Nur: Wie erklärt man einem Kind, dass es die Texte der Band eher nicht wörtlich nehmen sollte? Nach einer halben Stunde ist das Konzert vorbei, und Dahlia springt wie üblich in die Drums (damit spielt die Gruppe zehn Minuten länger als sonst!).

Bei Leftover Crack spazieren wir erst einmal durch die Verkaufsstände auf dem Festivalgelände. Die Band hat mir nie viel bedeutet, aber was wir am Ende des Sets hören, ist durchaus gut. Vor allem gefällt mir aber, dass der Sänger während des Konzerts die aufblasbare "Miller Lite"-Flasche mit Farbe besprüht. Der Kommerz des Festivals (Camel wirbt hier fürs Rauchen) ist für eine Punkrock-Veranstaltung schon grenzwertig…

Ich war nie Fan von Agnostic Front und habe es sehr bedauert, als die Band für Killing Joke einsprang, weil die Briten ihre Tour absagen mussten. Michele sieht das anders, sie war zumindest in den späten Achtzigern Fan der Band (noch lieber hätte sie heute aber Murphy's Law gesehen). Allerdings kennt Michele auch nur die alten Titel - die die Band zum Glück auch spielt. Es geht mit der kompletten "Victim in Pain" los, später gibt es eine Auswahl von Titeln von der "Liberty and Justice vor…", inklusive "Crucified", und zu Ende geht's mit "Friend Or Foe" sowie "Gotta Go" (das sind dann auch so ziemlich die drei Lieder, die ich von AF gut finde). Vom neuen Album ist (meines Eindrucks nach) kein Ton zu hören. Und nach einer halben Stunde ist die Show vorbei. Was mich überrascht: Die Cock-Sparrer-Fans interessieren sich nicht die Bohne für AF - ich dachte, ich wäre aus Berlin was anderes gewohnt. Erst als Roger Miret ein paar mal "Oi" grölt, macht das Publikum mit.

Von Cock Sparrer hören wir uns nur den Anfang an. Die Fans sind schon unangenehm genug - ich sehe einen Punk mit einem "Commies are uncool"-Shirt, fette Skins mit ihren Afghanistan-Shirts und viele Typen mit US-Flagge (an diesem Montag ist Memorial Day, wo die Amerikaner ihr aufgeblasenes Militär feiern und sich in Patriotismus ergeben. Später in der nahen Fremont Street laufen dann "We Are The Champions" und "We Will Rock You" von Queen, während der Star-spangled Banner zu sehen ist. Eklig). Wobei ich auch sagen muss, dass "Food Not Bombs" heute auch einen Stand hat, wo wir gute Tipps für vegetarisches Essen bekommen. Zurück zu Cock Sparrer: Michele mag Oi-Punk durchaus, ich mag den Gesang nicht - Undertones und Stift Little Fingers an den Vortagen gefallen mir da besser.

Also gehen wir lieber jetzt schon in eine der Kneipen, bevor die Horden in die nahe Fußgängerzone einfallen. Von oben gucken wir uns noch an, wie die Punks Erinnerungsfotos mit zwei Kiss-Imitatoren schießen, dann geht der Abend zu Ende...

Dietmar Stork



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Zu den Kommentaren (3)

#3 Michele am 02.07.2011 um 22:41 Uhr
find ich auch, was fällt denen überhaupt ein!!!
#2 am 16.06.2011 um 15:53 Uhr
#1 am 05.06.2011 um 13:52 Uhr
ich frag mich echt wieso sowas da einfach so gemacht wird.
fieser kommerz und nationalgedudel. wo sind wir denn
gelandet? leftövercrack hätten da garnich spielen dürfen
find ich..
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