Eigentlich sollten Gaslight Anthem an diesem Abend ja den Support für Blink182 in der Berliner Wuhlheide übernehmen, die Pop-Punker hatten ihre Europa-Tour aber bekanntlich um ein Jahr nach hinten verschoben - angesichts von Dauerregen und starkem Gewitter wäre eine Open Air Show an diesem Tag allerdings ohnehin nur begrenzt unterhaltsam gewesen. Gaslight Anthem nutzen den frei gewordenen Termin jedenfalls für eine Headliner-Show, die einmal mehr bekräftigte, was die Band auch bei uns mittlerweile für einen Status hat - einen großen Club wie das Astra trotz Ticketpreisen von 26 Euro bis zur letzten Reihe mit einem äußerst bunt gemischten Publikum zu füllen ist schon eine beachtliche Leistung.
Eröffnen durften ab 21 Uhr Twopointeight, die in der Vergangenheit bereits einige Achtungserfolge bei kleineren Clubshows feiern konnten. Dieser Auftritt der Schweden war allerdings eher unspektakulär - offensichtlich wollte man sich der Hauptband annähhern und gab sich ein wenig reservierter - von der rohen Energie, die die Band durchaus auch besitzt, war nur wenig zu spüren. Insofern klang der hochmelodische Streetpunk immer so, als hätte man die Handbremse nicht gelöst, selbst eingängige Hits wie "Guds Hand" wirkten bestenfalls mittelmäßig; das kann die Band eigentlich besser.
The Gaslight Anthem legten nach kurzem Intro dann ab 22 Uhr los und spielten inklusive Zugaben einmal mehr fast zwei Stunden - über zu kurze Sets braucht man sich bei den Herren ja bekanntlich nicht zu beschweren. Der erste Teil der Show kam ohne großen Ansagen aus, man reihte Song an Song und in den meisten Fällen Hit an Hit aneinander, und bei Stücke wie "The '59 Sound" oder "Bring It On" sang auch der Großteil der Anwesen emphatisch mit. Erst in der zweiten Hälfte gab es dann längere Pausen, in denen Fallon einmal mehr auf sympathische Art und Weise betonte, wie dankbar er den Anwesenden für Ihr Erscheinen ist, wie sehr er den Erfolg genießt und eigentlich gar nicht fassen kann und wie wunderbar es ist, auf einmal die ganzen tollen Bands auf Festivals und Touren zu treffen, die man früher vergöttert hat. Die übliche Lobpreisung an Bruce Springsteen durfte natürlich ebenso nciht fehlen - diesmal wurde betont, wie Springsteen ihnen ja eingebläut hatte, dass man unbedingt immer wieder nach Europa muss, weil die europäischen Fans treu sind und einen auch nach einem schwächeren Album nicht fallen lassen würden.
Im Vergleich zu früheren Shows fiel allerdings auf, dass auch The Gaslight Anthem etwas an Tempo und Energie verloren haben. Vielleicht war das aber auch der Songauswahl geschuldet - auf viele schnellere Stücke wurde verzichtet, der Schwerpunkt lag oft auf den ruhigen und entspannten Nummern. Trotzdem kam ganz zum Ende dann nochmal das Hymnen-Feuerwerk - erst "Backseat", dann in der Zugabe unter anderem "American Slang" und natürlich "Great Expectations" zum Schluss; auch eine für Gaslight-Verhältnisse etwas schwächere Show ist eben immer noch ein verdammt gutes Konzert.
Tito Wiesner