Kettcar / Sometree
Röhre in Stuttgart
Besucher: ca. 200 - am 16.01.2003
 

Als unterstützende Kraft hatten Kettcar an diesem Abend Sometree aus Hannover mit dabei und die machen Emo. Musik der Sorte, wo ein Song langsam und zerbrechlich beginnt und mit einer fetten Gitarrenwand und einem emotionalen Gesang (ne Art von Seele-aus-dem-Leib-singen) aufhört. Aber das ganze nie in weniger als fünf Minuten. So lange sollte man bis zum Höhepunkt sich aber auch irgendwie zurückhalten können. Interessant zu sehen wie schüchtern wirkende Junge Männer, irgendwann plötzlich mitten im Song, wie von der Tarantel gestochen, ihre Instrumente spielerisch zerstören wollen. War ein doch recht passabler Auftritt, und machte Laune den Hauptakt. Wenn man bedenkt, dass sie das letzte Mal in Stuttgart vor 20 Leuten gespielt haben, und an dem Abend tippe ich mal auf das Zehnfache. Thumbs up.

Ohne viele Worte zu verlieren, begann das Set des Hauptact. "Wir sind Kettcar aus Hamburg. Und das geht so…" Es folgte "Wäre er echt" im Lied wird durchgespielt, wie es wohl wäre, wenn der Schmerz, den wir in verschiedenen Lebenssituationen fühlen, wirklich echt wäre.Irgendwoher hatte ich Tränen in den Augen. Das anzuhören tut irgendwie doch weh, aber das passt schon so.Hier merkte ich vor allem, was der Wiedererkennungswert der Songs ausmacht. Ist eben ein großer Unterschied, etwas zum ersten Mal zu hören, oder ein Lied schon verinnerlicht zu haben.Großen Anklang fand auch "Landungsbrücken raus" Hierzu möchte die vielen Hamburger hier mal einfach fragen, was genau es so lohnenswert macht, an den Landungsbrücken die U-Bahn zu verlassen. Dann guckten wir noch gemeinsam auf den "Balkon gegenüber" und Mensch es gab nach dem Song sogar spontanen sofortigen Applaus. Ein Zeichen dafür, dass sich die CD gut verkauft. Denn der Song hört ziemlich plötzlich auf. So dass noch vor kurzem die Standartreaktion ein Fragender Blick war "Was fertig? Einfach so? und ja, dazu kläglicher Beifall dreier Leute. Zum Glück sind Menschen lernfähig. Gegen Ende kam auch der Song auf den ich sehnsüchtig wartete: "Im Taxi weinen" Hier spielen die Wiebusch-Brüder auch perfekt zusammen da die Lead Vocals und die Gitarre, und dort der Synthesizer und die Background Vocals. Perfekt.

In einer amüsanten Ansage schilderte der Bassist seine Erfahrungen die er neuerdings in Stuttgart gemacht hat. Er fragte nach dem Weg zum Schloss, und ist nach Böblingen hinaus zu irgendwelchen Plattenbauten gelotst worden, zurück ging es mit dem Taxi aber wohl nicht weinend, lohnt nicht. Jedenfalls hat er Stuttgart als eine eher unfreundliche Stadt kennen gelernt, aber der warme Applaus machte ihn stutzig. Problemlösung - die Konzertbesucher müssen allesamt von außerhalb gekommen sein. Einige Songs und zwei Zugaben später, gab es für Stuttgart doch den Segen als Olympiastadt. Schön war auch der Rausschmeisser der zweiten Zugabe "Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt, den Rest kriegt mein Friseur". Hier konnte ich einmal nicht uneingeschränkt zustimmen. Es gibt Dinge die lassen sich nicht Teilen oder weggeben, schon gar nicht an Zahnärzte. Aber die Tatsache dass es in dem Song doch vordergründig um Bier dreht, und der Leadsänger Markus dieses Lied als Solo begann, und erst gegen Ende der Rest der Band nach und nach einstimmte und es auch hier Rockte. Gitarren die einen zu überrollen drohen. Ist eben doch kein reiner Pop. "Ich danke der Academy für's erkennen von Talent" heisst es in einem ihrer Songs. Auch wenn es dort eher negativ besetzt ist, würde ich ihnen doch am liebsten einen Oscar in die Hand drücken. Einfach so, für den schönen Abschluss eines ohnehin schon schönen Tages.

Noch eine Feststellung. Auch wenn dies nicht die Art von Konzert ist, zu dem man geht um zu "tanzen" und womöglich noch mit Freunden erst Mut antrinken muss, sollte man sich dennoch die Frage stellen , die der Name der CD einem stellt. "Du, und wie viel von deinen Freunden?" An diesem Abend hätte ich antworten dürfen, dass ich allein da bin. Kam eben doch sehr plötzlich, wenn man erst am selben Tag von dem Konzert erfährt. Ja das ist eine Art von Konzert, an das man mindestens (oder am besten) zu zweit gehen sollte.

Alex



Related Links

Alle Artikel zu Kettcar
Homepage der Band
Zu den Kommentaren (1)

#1 http://www.toplongchampoutlet.com am 23.11.2012 um 12:22 Uhr
thats was nice information
Benutzer
Kommentar





Interviews:

Kettcar
11/2002



Reviews:


Fliegende Bauten
27.01.2010



Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen
08.03.2005



Du und wieviel von Deinen Freunden
01.11.2002



Weitere Livereviews:

04 / 2005 in Berlin

05 / 2004 in Neustrelitz

11 / 2002 in Berlin

05 / 2002 in Berlin


© Waste of Mind 1999 - 2009