Das war ja mal wieder ein typischer Montag: Tagsüber stresst man sich, um den 10-Stunden-Tag in weniger als 7 Stunden zu meistern, doch die gesparte Zeit verpufft im Feierabend-Stau der Hansestadt auf einer Strecke von wenigen hundert Metern. So ist es auch nicht verwunderlich, daß die Vorband des Abends, Crackout aus England, bereits auf der Bühne steht als wir ankommen und sich reichlich Mühe gibt, die ca. 130 anwesenden Nordlichter aus der Reserve zu locken. Gelingen mag es ihnen nicht recht, was wohl auch an der mageren Eingenständigkeit des Trios liegt. Daß sie ihr Debüt (?) in Kürze bei der Virgin rausbringen, erhöht auch nicht zwangsläufig meinen Adrenalinspiegel. Those guys come and go..., wie war doch gleich deren Name?
Nach kurzer Umbaupause dann das Alkaline Trio, das es in Sekundenschnelle schafft, die Stimmung (zum Positiven) zu kippen: Bereits nach 1-2 Songs steigt der Spaßpegel der Meute, die sich (Gott sei Dank) nicht (nur) aus Baggy-Punks zusammensetzt und der herzerwärmende Abend nimmt vornehmlich mit Songs des neuen Albums "From here to Infirmary" seinen Lauf. Erfreulicherweise haben viele Anwesende die Zeit seit dem Release im August genutzt und sich das Meisterwerk bereits zugelegt, sodaß es auf dem Publikums-Stimmungsbarometer kaum Unterschiede zwischen "Neuheit" und "Klassiker" zu geben scheint. Mit letzteren spart die Band aus Chicago natürlich auch nicht, doch man kann nicht leugnen, daß ihre kurze Appearence in Deutschland eindeutig den "Promo"-Hintergedanken pflegte. Sei's drum, mir persönlich gefallen die neuen Songs eh noch eine Spur besser, vor allem "Private Eye" und "Stupid Kid" werde ich noch eine ganze Zeit als Ohrwurm mit mir rumschleppen... Nach einer viel zu kurzen Ewigkeit wird dann klebrig verschwitzt die Heimfahrt bei geöffneten Fenstern angegangen. Derart gestärkt kann der Winter mit seinen Krankheiten ruhig kommen, mir macht er nix mehr!
Mirko Gläser