Für alle nicht Berliner: Die Fete de la Musique ist eine Institution aus Frankreich, die Berlin übernommen hat und jeweils am 21.06., dem Sommerbeginn, wird in der ganzen Stadt umsonst musiziert. Meist spielen lokale Bands da es nicht erlaubt ist, den Bands Gage zu zahlen, man darf nur deren Umkosten decken. Die Bars, Clubs, Zeitschriften oder in dem Fall das Restaurant, die die Bühnen machen, finanzieren alles mehr schlecht als recht durch den Getränkeverkauf.
Da ich an dem Abend/ Tag einer der Organisatoren der Bühne am I Due Forni (der besten Punkrockpizzeria der Welt) war, neben Mirre und natürlich den „Chefs“ Dave und Mauro und unzähligen Helfern, hatte ich nicht immer wirklich Zeit den Bands zu folgen. Meine Eindrücke von dem Tag will ich trotzdem nicht für mich behalten, zumal kein anderer vom Waste of Mind es schaffte längere Zeit zu kommen.
Um 11 Uhr traf ich zusammen mit Mirre und Lars von den Drei Flaschen (der sich auch um die Runner kümmerte und immer eine helfende Hand bei der Backline und der Security war) am Due Forni ein und die nächsten Stunden wurden erst Mal mit dem Aufbau verbracht. Der Backstage wurde abgetrennt, Lieferungen angenommen, die Sachen für die Bands eingekauft und 1.000 Kleinigkeiten erledigt die so anfielen. Gleichzeitig wurde die PA und Bühne ausgeladen aufgebaut und die ersten schlechten Neuigkeiten trafen ein, es gab den Flug von Punkreas einfach nicht mehr und es war nicht sicher ob sie es rechtzeitig nach Berlin schaffen.
DELIKAT waren als erstes dran und hatten auch somit die Aufgabe die Backline aufzubauen und den Soundcheck zu machen. Fast pünktlich um drei Uhr legten sie los und man merkte schon das einige Leute wegen ihnen extra früh kamen und es hatte sich gelohnt. Die Berliner legten ein ordentliches Set hin und gefielen mir auch noch mal ein ganzes Stück besser, als vor Lawrence Arms. Schöner, teils deutschsprachiger Skapunk und wenn sie so weiter machen, wird man noch öfters was von ihnen hören.
Dann waren PESTROY aus Südafrika dran, fälschlicherweise als Punkrock angekündigt, gab es Crossover im Stile von Rage Against the Machine. Auch wenn es nicht mehr unbedingt mein Sound ist, konnten auch sie vor allem durch druck- und kraftvolles Spiel überzeugen. Die dritte Band des Tages waren dann DREI FLASCHEN, von denen ich aber nur den letzten Song sah, denn sie zusammen mit DE CREW (aus Italien) zum besten gaben. Ähnlich sah es auch bei CHE SUDAKA aus Barcelona aus, die aus dem Umfeld von Manu Chao stammen und die man grob als LatinSka bezeichnen kann. Sie waren bemüht um eine gute Show und mit ihren zwei Sängern, die zum Teil auch mit Masken bekleidet waren, gelang es ihnen auch ziemlich gut. Einige Leute waren auch der Meinung das sie nach Pennywise mit die beste Band an diesem Abend waren.
Hinter der Bühne hatten wir aber das Problem das PUNKREAS immer noch nicht da waren, bzw. sich gerade auf dem Weg vom Flughafen befanden. 20 Minuten bevor CHE SUDAKA fertig waren, trafen sie dann aber doch ein. Diese hatten zu dem Zeitpunkt Probleme mit dem Bass und waren auch schon kurz davor ihr Set abzubrechen ,weil sie einfach mit dem Sound nicht klar kamen. Am Ende lief doch alles irgendwie, PUNKREAS zeigten sich auch als Profis. In den 20 Minuten bereiteten sie alles vor, bauten schnell um und lieferten ihre beste Show ab die ich bisher von ihnen gesehen habe. Eine gute Stunde lang rockten die Mailänder das Gelände und während es zu Beginn ihres Sets zwar schon ganz gut gefüllt war, setzte so ab 19 Uhr der große Strom der Leute ein.
LA VELA PUERCA waren als vorletzte Band des Abends dran und zu dem Zeitpunkt wurden dann irgendwann nur noch Leute reingelassen wenn jemand rausging, da wir den Zaun um das Gelände einfach als natürlichen Wellenbrecher brauchten. Die Polizei sperrte auch die Gegend rund um das Restaurant recht weiträumig für den Verkehr, nachdem die Autos nicht mehr durchkamen. Von der Truppe aus Uruguay sah ich leider gar nichts, ein paar Freunde meinten das sie dieses mal nicht ganz so gut waren, wie bei den letzten malen wo sie sie gesehen haben, aber vor der Bühne ging es gut ab, auch wenn die breite Masse sicherlich auf PENNYWISE wartete.
Als die Kalifornier dann endlich gegen 21.20 die Bühne betraten gab es auch kein halten mehr. Eigentlich wollte ich auch ein wenig von ihnen sehen, hinter der Bühne war es ja ruhig da alle anderen Bands eben schon gespielt hatten, dafür gab es aber Probleme am Zaun. Zwar hatten wir schon einige Security eingeplant und eine menge Leute erwartet, aber mit dem was dann auf uns zu kam konnte man wohl kaum rechnen. Bei PENNYWISE waren sicherlich um die 6.000 Leute da, laut Zeitungen & Polizei sogar angeblich 10.000, wobei das doch ein wenig übertrieben ist. Da aber nur ein Teil davon auf das Gelände konnte waren die Straßen um das Restaurant dementsprechend voll und viele Leute sahen leider nicht ein, dass auf dem Gelände schlichtweg kein Platz mehr war. Wären noch mehr Leute zur Bühne geströmt wären, wäre es richtig gefährlich geworden. Mit ein paar Freunden verstärken wir die Security am Zaun war auch bitter notwendig war und als ein paar Idioten meinten sie müssen jetzt das Tor stürmen, waren wir auch schon dem Abbruch nahe.
Wären noch mehr Leute durch das Tor gekommen wären, hätten wir die Sicherheit vor der Bühne einfach nicht mehr verantworten können. Zum Glück bekamen wir bzw. die Security es wieder zu. Fast den ganzen Rest des Konzertes stand ich an dem kleinen Hügel mit dem niedrigen Zaun und durfte mich mit Idioten rumärgern, die meinten doch auf das Gelände zu wollen und noch schlimmer, meinten diskutieren zu müssen. Da war es mir lieber mit „Hurensohn-Sprechchören“ bedacht zu werden. PENNYWISE lieferten eine Hammershow und das Bild vom Restaurant runter auf die Strasse zu schauen, entschädigte für das meiste, aber schade das es einfach immer wieder Assis gibt, die meinen sie müssen das nicht respektieren. So wurde mindestens ein Auto demoliert, vor dem Gelände bekam einer eine Falsche an den Schädel, die Zäune sind auch am Arsch, nach der Show gab es Leute die jede noch heil gebliebene Flasche zerbrachen usw..
Respekt auch an dieser Stelle noch mal an alle von der Security bzw. den Leuten die freiwillig auf die Show verzichteten um noch auszuhelfen, sie hatten einen mehr als harten Abend und Job. Gut 75 Minuten gab es so ziemlich alle Klassiker von PENNYWISE zu hören und zum Glück hielt auch noch das Wetter, denn während fast den ganzen Tag lang die Sonne geschienen hat, zogen gegen Ende ihres Sets dunkle Wolken auf, es Blitze und donnerte und zusammen mit den Menschenmassen war es ein beeindruckendes Bild. Als dann zum Ende „Bro Hymn“ kam, gab es kein halten mehr und ich hatte lange keine derartige Gänsehaut mehr. Die Bühne war bei dem Song wie immer voll mit Leuten, Flechter hatte Mühe nicht ins Schlagzeug gedrückt zu werden und einen besseren Abschluß für den Abend hätte es wohl kaum geben können.
Der Abend der meisten Beteiligten ging noch bis 3.00-3.30, klar der Abbau stand noch aus und endlich konnte man sich auch mal in aller Ruhe ein Bier und was zu essen gönnen. Trotz allem Streß und aller Arbeit, es war ein geiler Abend den ich wohl nie vergessen werden werde.
Allen denen es gefallen hat sollten folgenden Leuten danken (wobei ich sicherlich einige vergessen habe): MAURO & RENATA & DIEGO & DAVE ( Due Forni bzw . Destiny), die den ganzen Spaß auch bezahlt haben und das war nicht billig, Mirre (Bandbetreuung/ Organisation), Lars (Runner/ Backline), Luise & Edin (Runner), Siggi & Tommy & Rea & Der Lange (die alle eingesprungen sind als Not am Mann war), Uwe & seine Leute (Security/ Auf-Abbau), Franko & seine Leute (Security), die Leute von PA /Technik, die ganzen Kellner vom Due Forni / Il Casolare, sowie allen beteiligenden Bands, sowie ihren Crews und Bookingagenturen: Delikat, Pestroy, Drei Flaschen, Che Sudaka, Punkreas, La Vela Puerca, Pennywise, Destiny Tourbooking, Rocky Beach Club, Roadshock
Kai Wydra