Alkaline Trio / Mike Park
SO 36 in Berlin
Besucher: Ca. 600 - am 30.11.2005
 

Endlich war es soweit und auch Berlin kam in den Genuss der ersten richtigen AK3-Headliner-Show! Nachdem das eigentliche Konzert im August noch verlegt wurde, stieg nun die Spannung natürlich auf ein Vielfaches. Da auch die aktuelle Platte 'Crimson' rückblickend zu den Alben des Jahres gehört und auch nach hundertfachem Hören immer noch wohlige Schauer über den Rücken jagt, konnte sicherlich nicht nur ich die Tage vor dem Konzert schon nicht mehr stillsitzen.

Den Anfang machten an diesem Abend ein paar alte Bekannte aus der Tschechei: Sunshine fuhren vor einigen Jahren immer schön im Windschatten von Bands wie At The Drive-In und wußten auch diesmal
wieder zu gefallen. Zwar minderte der mal wieder grottenschlechte So36-Sound ein wenig das Hörerlebnis, aber auch so brachte die Truppe ihren PostCore-NewWave mit Einflüssen momentan modischer Bands wie Bloc Party und Interpol gut rüber.

Mike Park hingegen wirkte auf der großen Bühne etwas verloren. Zwar ließ der amerikanische Sohn asiatischer Einwanderer zur Unterstützung seiner hochpolitischen Ein-Mann-Singer/Songwriter-Stücke ala Billy Bragg anfangs einen Fernseher mit eigenen Videos mitlaufen, doch warteten die Leute doch schon eher ungeduldig auf die durchgezogenen Punkrock-Gitarren der Hauptband. Braven Applaus konnte der Frontmann von Skankin Pickle und den Chinkees, Initiator der 'Plea For Peace'-Touren und Label-Chef von 'Asian Man Records' (wo z.B. auch die ersten Sachen des Alkaline Trios und der Lawrence Arms erschienen waren) trotzdem verbuchen. Nächstes mal gerne in einem kleineren Rahmen. Dank seiner kommunikativen Natur konnte man Mike kurz darauf aber auch noch am Merch-Stand persönlich kennenlernen.

Zum Merch ist auch noch zu sagen, dass dieses verdammt fair bepreist war. Steckte uns allen noch der Schock vom Taste Of Chaos in den Portemonnais, so konnte man hier bei 10;- Euro für Shirts und schlappe
20,- Euro für hochwertige Zipper-Hoodies seine Wunden kühlen. Es geht also auch anders.

Diesen positiven Eindruck wußten auch die 3 Alkalines sofort von der Bühne ins SO36 zu übertragen, indem mit 'Back To Hell' und 'We ve Had Enough' gleich ein furioser Kickstart hingelegt wurde. So schnell konnt
man gar nicht sein Pausenbier leertrinken, um in den Moshpit zu sprinten! Ruckzuck waren die Finger und Fäuste in der Luft, die den hundertfachen Mitgesang des Publikums pointierten. Die Gänsehaut
brauchte ungefähr nur 10 Sekunden, um komplett zu zünden, danach gab es bei den meisten Besuchern kein Halten mehr und es wurde sogar bis in die hinteren Reihen mitgesungen und -gewippt. Die cool gekleideten Chicago-3 gaben Gas und zündeten ein Hitfeuerwerk aus allen ihren Platten, ja sogar 'Radio' und das unschlagbare 'Warbrain' vom 'Rock Against Bush 1'-Sampler wurde in die glücklichen Gesichter geschmettert. Dabei unterließen es Matt Skiba und Dan Adriano auch nicht, immer wieder Direktkontakt zum Publikum aufzunehmen und bis zum Bühnenrand vorzutreten. Damit wurde auch die Enttäuschung über den Zaun vor der Bühne etwas gedämpft. Unterstützt von einem weiteren Gitarristen im hinteren Halbdunkel klang der Sound ok, aber auch wesentlich fetter als noch zu reinen Trio-Zeiten. Eine runde Stunde reichte aus, um uns alle glücklich zu machen!

Für mich konnte das AK3 die hohen Erwartungen locker halten, es ist einfach ein Augen-, Herz- und Ohrenschmaus eine so leidenschaftliche Band mit soviel Verve auf der Bühne zu sehen!

Steven Gläser



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