Organisation, sie lebe hoch! Zugegeben war es eine Spitzenidee der Visions, Vorverkaufskarten für die Besucher am Einlass zurückzulegen, damit diese sich so die 3,20€ VVK-Gebühr sparen können. Jedoch führte dieses Vorgehen dann an der Kartenabholstelle zu etwas Unmut, denn für das Verteilen der Karten war dann tatsächlich lediglich eine Dame vorgesehen, weshalb ich zwar eine gute Stunde vor Beginn da war, Muff Potter aber leider trotzdem komplett verpasst und es gerade noch so zu Dredg geschafft habe. Diese konnten dann auch sofort überzeugen, es gab glasklaren Sound und eine absolut geniale Songauswahl. In einer dreiviertel Stunde wurde neues Material genauso wie alte „Hits“ von El Cielo dargeboten. Mir persönlich haben lediglich „Catch Without Arms“ und „Matroshka (The Ornament)“ vom neuen Album gefehlt. Dredg boten eine engagierte Show und konnten fast alle der Anwesenden in ihren Bann ziehen. Sehr geil kam auch der Effekt, dass sie in einer viel zu großen Halle auf einer verhältnismäßig kleinen Bühne mit sehr reduziertem, aber bewusst eingesetzten Licht spielten. Irgendwie wurde man von den Songs und der Show gefangen..
Das totale Gegenteil dazu wurde im Anschluss geboten. The Soundtracks Of Our Lives konnten mich im Sommer zwar auch nicht richtig überzeugen, es war jedoch wenigstens eine gewisse Bemühung um ein gutes Konzert zu erkennen. Heute Abend gab es leider nur einen langweiligen Auftritt. Noch dazu kam, dass nur wenig vom aktuellen Album gespielt wurde, sodass leider absolut kein Funken irgendwohin sprang und ich mich ziemlich schnell wieder zum Getränkestand aufmachte.
Danach gabs dann die großartigen Life Of Agony. Für mich war es das erste Mal und ich muss sagen, ich kann die Leute, die immer behauptet haben, Life Of Agony wären soo geil tatsächlich verstehen. Nach dem absolut besten Intro des Jahres („The Man Comes Around“ von Johnny Cash, aber komplett!) gab es erstmal ganz großes Kino. Die Bezeichnung kleiner Mann ganz groß trifft es hier wohl am ehesten. Mit "Weeds" und "River Runs Red" als auch "The Day He Died" und "Love To Let You Down" waren sowohl Songs aus den ersten Tagen als auch aktuelle Stücke zu gleichen Teilen vertreten. Keith Caputo und seine Jungs konnten ganz klar beweisen, dass sie sicherlich noch nicht zum „alten Eisen“ gehören.
Im Anschluss gab es dann den geheimen Headliner des Abends: Turbonegro! Das verrückte norwegische Sextett kam auf die Bretter und zeigte allen Anwesenden, was eine echte Rockshow bedeutet. Mit „All My Friends Are Dead“ wurde schon am Anfang gezeigt, wo die Reise hingehen sollte. In der nächsten Stunde wurde von Band und Publikum ein riesiges Fest gefeiert, die Turbojünger aus Heilbronn, welche den Contest der am besten vertretenen Turbojugend mit 19 (!) Leuten für sich entscheiden konnten, allen voran. Zwischendurch wunderte ich mich ein wenig, weil Hank seine Ansagen in nahezu perfekten Deutsch machte und sich dabei nicht nur auf die Standardgeschichten beschränkte. Im Grunde gabs auch hier wieder ein Best-Of-Set, wobei sie leider auf das viel geforderte „I Got Erection“ verzichteten. Trotzdem, gewohnt großes Tennis!
So gegen 23.20h kamen dann Mando Diao auf die Bühne, welche es nach Turbonegro natürlich schwer hatten, das Publikum noch für sich zu gewinnen. Offensichtlich fand nicht nur ich die Show der Schweden eher langweilig, sodass nur noch gut die Hälfte der Leute geblieben sind. Alles in allem muss man schon sagen, dass es eine durchaus gute Veranstaltung war. Cool war auch, dass die Schleyerhalle für ca. 10000 Leute
ausgerichtet ist, aber maximal 5000 da waren, wodurch ein gewisses „Festivalfeeling“ aufkam. Bei Mando Diao zum Beispiel war es dann so, dass die Leute, die die Band sehen wollten halt vor der Bühne standen, der Rest, der noch nicht gegangen war, einfach irgendwo in der Halle verstreut entspannt „herumlag“, sehr sympatisch!
Manu Hölscher
N/A