Eigentlich wussten wir es ja schon vorher: Ein Album wie Apocalypse Dudes schreibt man nur einmal im Leben, egal, wie gut man als Band ist. Und trotzdem hatten wir gehofft, dass Turbonegro es noch mal vollbringen, uns erneut eine Platte schenken, die vor lauter Bombast, Obszönitäten und Rock-Klischees jede mögliche Kritik schon im Keim erstickt. Aber: Fehlanzeige. Scandinaian Leather ist gut, nichtsdestotrotz aber sehr weit davon entfernt, mal als Klassiker gelten zu können.
Das beginnt schon beim etwas bemüht wirkenden Intro und dem darauf folgenden eher mittelmäßigen Rocker "Wipe It Till It Bleeds". Irgendwie hat man hier das Gefühl, die Osloer versuchen das Konzept ihres so erfolgreichen Vorgängers neu aufzukochen, ohne jedoch dieselbe Intensität und vor allem ähnlich grandiose Melodien hervorzaubern zu können. Hits und Hymnen wie Rendevouz with Anus oder Get It On sucht man hier vergebens, und auch bei den Texten hält man sich eher vornehm zurück - weniger Anal-Phantasien, mehr Beliebigkeit. Um es überspitzt zu formulieren: Scandinavian Leather klingt wie das B-Seiten-Album zu Apocalypse Dudes.
Den nun seit Jahren gewachsenen Durst nach neuem Turbonegro-Irrsin kann diese Scheibe jedenfalls nur begrenzt löschen, letztendlich wird doch immer wieder Apocalypse Dudes auf dem Plattenteller landen. Aber vielleicht schaffen Turbonegro ja mit ihrem nächsten Album - wenn es denn eines geben wird - das Unmögliche. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.
Tito Wiesner
Als die neue Turbonegro bei mir ankam, gingen gleich die Diskussionen mit Tito los, wer das Album bekommen würde, nachdem es aber drei Mal bei mir durchlief, trat ich freiwillig zurück. Kein Song wollte so richtig zünden oder hängen bleiben und wer weiß vielleicht waren die Erwartungen nach der groß aufgezogenen Reunion und dem momentan anwährenden Hypes einfach zu groß, dass sie erfüllt werden könnten. Für mich ist "Scandivian Leather" ein sehr durchschnittliches Album einer eigentlich guten Band.
Kai Wydra