Erlend Ropstad hat in der Vergangenheit bereits als Fotograf, Journalist und Lehrer sein Geld verdient, angesichts der Qualität seines Debütalbums „Bright Late Nights“ kann man allerdings nur hoffen, dass er fortan die meiste Zeit auf der Bühne und im Studio verbringt – und auch möglichst viele Menchen das mitbekommen. „Bright Late Nights“ gehört jedenfalls zu den schönsten Singer-/Songwriter-Platten der letzten Zeit; einerseits, weil Ropstad ein gutes Gespür für große, berührende Melodien besitzt, andererseits, weil praktisch jeder Song anders klingt – und das Album am Ende trotzdem wie aus einem Guss erscheint.
Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen: „Rocket“ ist zerbrechlich, zum Heulen schön und erinnert ein wenig an Antony & The Johnsons; das folgende „My Third Cup“ hingegen wirkt fast schon unbeschwert lässig, hat eindeutige Folk- und Americana-Anleihen und einen Refrain zum Mitsingen. „The Great CD Robbery“ hingegen setzt einen ungewöhnlichen Text einem schweren, mit Streichern versetzten und tieftraurigen Song entgegen. Und so geht es munter weiter: Wunderschöner weiblicher Begleitgesang hier, ungewöhnliche Instrumentierung da – wer auch nur einen einzigen mittelmäßigen Song auf dieser Platte sucht, wird lange suchen müssen und höchstens am Ende des Albums stellenweise fündig werden. Bis dahin heißt es allerdings: Zurücklehnen und genießen – es lohnt sich.
Tito Wiesner 8/10