Um es gleich vorweg zu nehmen: So schwer wie mit "Agony & Irony" haben es Alkaline Trio ihren Fans noch nie gemacht. Befürchtungen, mit dem Wechsel zum Major-Label würde es auch drastische Soundveränderungen geben, bewahrheiten sich jedenfalls. Dem Punkrock wird über weite Strecken "Good Bye For Now" zugebrüllt, Balladen nehmen zu, es gibt plötzlich Dance Beats, und anstatt dass sich Dan und Matt wie gewohnt das Mikro teilen ist Matt fast alleine für die Texte zuständig.
Diese wiederum sind allerdings düster und Tattoo-tauglich wie immer - trotz einiger Platitüden wie "Live young, die fast, No one will last", das, nebenbei bemerkt, auch einen der schwächsten Songs darstellt, den die Herren je geschrieben haben. Aber die Platte wächst: Plötzlich sind sie doch wieder da, diese grandiosen Melodien, dieser auf den Punkt vertonte Herzschmerz, diese Erschauern ob Matts berührender Stimme.
"Help Me" mag ungewohnt unbeschwert daher kommen, ist angesichts des Piano-Einsatzes und der grandiosen Refrain-Melodie aber eben doch das Trio, wie man es liebt. Bei "In Vein" darf Dan dann doch mal ran und überzeugt wie eh und je, und gerade zum Album-Ende nehmen die großartigen Songs wieder stark zu.
Die Platte braucht zweifelsohne viel Zeit, und gerade die ersten Hördurchgänge dürften wohl jeden langjährigen Alkaline-Fan erstmal ernüchtern. Irgendwann ist "Agony & Irony" dann aber doch wieder eine Herzensangelegenheit - allen Veränderungen zum Trotz.
Tito Wiesner 7.5/10