20 Jahre lang war Tony Sly vor allem als Kopf der Punkrock-Institution No Use For A Name bekannt, in letzter Zeit hat er aber vor allem Gefallen am Songwriter-Tum gefunden - auch wenn mit "12 Song Program" erst jetzt sein Solo-Debüt erscheint, konnte er bereits mit einzelnen Songs oder eienr Split mit Joey Cape auf sich aufmerksam machen. Gleich dem ersten Song "Capo, 4th Fret" merkt man dann auch schon an, dass sich heir kein Stümper an der Akustik-Gitarre versucht, sondern ein immens erfahrener und vor allem verdammt guter Musiker das macht, was er am besten kann - einfache, aber zu Herzen gehende Songs zu schreiben.
Natürlich hat Sly das Glück, mit einer ebenso prägnanten wie angenehmen Stimme gesegnet zu sein, was den Höreindruck von Beginn an positiv beeinflusst. Aber Stücke wie das tieftraurige "The Shortest Pier", das anklagend-folkige "Already Won" oder das angenehm an Elliot Smith erinnernde "Keira" sind einfach großartige und bewegende Songs, für die man kein Anhänger von No Use For A Name oder Sly sein muss, um sie toll zu finden.
Zwar berührt nicht jeder der 12 Songs gleichermaßen - "AM" verliert sich etwas in wattiger Synthetik, und auch "Love, Sick Love" kommt etwas zu dick aufgetragen und schmalzig daher. Aber das sind Ausnahmen, die angesichts der zahlreichen großartigen Momente kaum auffallen. Bleibt zu hoffen, dass Sly auch mit seinen neuen Klängen möglichst viele Leute erreicht - diese Songs sind zu schön, um ungehört zu bleiben.
Tito Wiesner 7.5/10