Seit "The American Slang" vor ein paar Wochen erschien, kann man im Grunde nur staunen. Natürlich durfte man mit einem Erfolg rechnen, die Zahlen die kurz nach Veröffentlichung die Runden machten, waren trotzdem so nicht vorhersehbar: Das Album stieg in der ersten Woche auf Platz 16 der US Billboard Charts ein, in England chartete man auf Platz 18, in Deutschland gar auf Platz 8. Und das ist erst der Anfang - die Tatsache, dass "The American Slang" im direkten Vergleich zu den beiden Vorgängern tenedenziell etwas länger braucht um zu zünden, lässt vermuten, dass da noch viel mehr kommt.
Zu gönnen ist es den Jungs aus New Jersey natürlich voll und ganz. Während andere aufstrebende Rockbands mit Punk-Background immer wieder versuchen, ihren Sound den jeweiligen Trends und Gegebenheiten anzupassen, ziehen The Gaslight Anthem seit Beginn an ihr Ding durch. Ehrlicher, authentischer Rock mit zahllosen Folk-, Motown- und Soul-Elementen - alles andere als aufregend oder spektakulär, aber dafür so überzeugend gespielt, dass man irgendwann von der mal eher Stadion-, dann doch wieder Lagerfeuer-artigen Atmosphäre gepackt wird und die satten Hymnen mitsingt. Man kann natürlich darüber meckern, dass sich die einst noch spürbaren Punkrock-Wurzeln mittlerweile komplett abgeschliffen haben, spekulieren, wie wichtig die Wertschätzung und Unterstützung von Bruce Springsteen für den aktuellen Erfolg ist, oder etwas enttäuscht zunächst registrieren, dass auf dem neuen Album mehr langsame und ruhige Stücke sind.
Nur ist das spätestens nach ein paar Stunden eigentlich völlig egal - mit jedem weiteren Durchgang von "American Slang" gehen einem nämlich die Argumente aus, hier irgendetwas zu kritisieren. Erscheint die Scheibe zu Beginn noch etwas unspektakulär, dauert es nicht lange, bis irgendwann tatsächlich jeder der zehn Songs im Ohr bleibt und nicht mehr herauswill. Der Titelsong macht den Anfang, das rasante und krachige "Orphans" folgt gleich hinterher, aber irgendwann schaffen es auch poppige Songs wie "The Spirit Of Jazz" oder eine Halb-Ballade wie "The Queen Of Lower Chelsea", Herz und gereckte Faust zu packen.
"Grower" ist fast noch untertrieben als Bezeichnung für dieses vielseitige, fesselnde Album - "The American Slang" ist ebenso der perfekte Soundtrack für einen langen Abend mit den besten Kumpels wie der optimale Begleiter für nciht enden wollende einsame Autofahrten. Und nachdem Frontmann Brian Fallon vor der Veröffentlichung äußerte, sein Ziel sei es, mehr als nur eine Fußnote in Musikgeschichte zu sein, kann man ihm nach diesen drei großartigen Platten sagen: Mission Accomplished. Aber so richtig.
Tito Wiesner 8/10