Frauen wollen ihn heiraten, Männer ihn als besten Kumpel zum reden und trinken, und alle egal welchen Alters, Geschlechts und Szene-Zugehörigkeit seine Lieder mitsingen - Frank Turner ist einer von diesen ganz wenigen Typen, die einfach jeder gut finden muss; der nahezu perfekte kleinste gemeinsame Nenner sozusagen. Und mit Album Nummer 4 wird dem Wahl-Londoner mit Sicherheit noch mehr Liebe und Zustimmung zuteil - die Platte ist vielseitiger und auch tiefgründiger, gleichzeitig aber sogar eingängiger als der Vorgänger.
Egal ob Turner Shakespeare zitiert oder seiner Oma Tribut zollt, von durchzechten Nächten, gescheiterten Plänen oder guten Freunden erzählt, mit Piano und guter Laune, komplett acapella oder mit melancholischer Lagerfeuer-Gitarre singt: "England Keep My Bones" ist eine großartige Sammlung von Songwriter-, Pop- und Folk-Stücken. Manche Songs wie die sehr poppigen und geradlinigen "Peggy Sang The Blues" oder vor allem das tolle "I Still Believe" funktionieren schon beim ersten Hören als mitreißende Ohrwurm-Hymnen, anderes überrascht mit seiner vielseitigen und vielschichtigen oder auch mal gar nicht vorhandenen Instrumentierung ("I Am Disappeared", "English Curse").
Und so wird gekonnt die Brücke von privaten zum politischen, von Chuck Ragan zu Billy Bragg bis Spruce Springsteen geschlagen - weshalb "England Keep My Bones" eben noch vielseitiger, eingängiger und mitreißender geworden ist als die ohnehin schon großártigen Songs des Vorgänger-Albums "Poetry Of The Deed". Da kann man Turner nur zustimmen und laut mitsingen: "I still believe that after all, something as simple as rock&roll will save us all."
Tito Wiesner 8/10