Kann eine Band wie Alkaline Trio ein schlechtes Album veröffentlichen? Natürlich nicht. Ein durchschnittliches? Vielleicht. "Damnesia" ist jedenfalls - betrachtet man die gesamte Diskographie des Trios aus Chicago - wohl die Platte, auf die man am ehesten verzichten kann. Was natürlich vor allem daran liegt, dass man es hier nicht mit einer wirklich neuen Veröffentlichung zu tun hat, sondern größtenteils mit Neuinterpretaionen bekannter Songs.
Hits wie "Calling All Skeletons", "Mercy Me" oder "Radio" wurden neu - mehr oder weniger akustisch - aufgenommen. Und natürlich sind die Melodien immer grandios, Matt Skibas Texte und Stimme unverkennbar. Allerdings ist es nur selten so, dass die neuen Varianten den bekannten gefährlich werden - was vielleicht auch daran liegt, dass "Damnesia" kein wirklich ruhiges und reduziertes Akustik-Album ist, sondern die Songs immer noch etwa mit Piano breit instrumentiert sind. Manches wirkt daher so wie eine etwas unfertige, schroffe Variante des Originals - eben das, was andere Bands als "Demo" oder "Unmastered" auf B-Seiten packen.
Fans werden natürlich trotzdem zugreifen und sich auch an "Damnesia" erfreuen, wer unsicher ist kann vielleicht durch zwei neue - und solide - Songs und ein Cover des Violent Femmes-Songs "I Held Her In My Arms" überzeugt werden. Trotzdem gilt - "Damnesia" ist hörenswert. Aber wer noch nicht alle regulären Studioalben des Trios im Schrank hat, sollte erst dort darein investieren, bevor er hier zugreift.
Tito Wiesner 7/10