Ein bisschen musste man ja Angst haben vor dem neuen Menzingers-Album. Schließlich war vorab überall zu hören, dass die neue Platte doch eine deutliche Abkehr vom alten Sound werden würde. Anti-Flag raus, Gaslight Anthem rein - so hieß es. Muss das sein? Hatten wir sowas in letzter Zeit nicht schon häufig genug? Gibt es überhaupt noch jemanden, der nicht urplötzlich auf den Spuren von Bruce Springsteen wandeln will?
Gibt es zum Glück. Denn ganz so heftig ist die Neuausrichtung der Menzingers dann doch nicht geworden. Ja, die (musikalische) Wut ist verraucht, wirklich laut, heftig oder AF-kompatibel wird "On The Impossible Past" zu keinem Zeitpunkt. Schroffer, rauer und ein ganzes Stück energetischer als Gaslight Anthem klingt man aber trotzdem. Man höre den hymnischen Refrain von "Burn After Writing", das schöne "Casey" oder die Zeilen "I Will Leave You Alone" in "Sun Hotel" - das sind poppige Momente. Aber poppige Momente, die man wunderbar mitgröhlen kann. Der Punk-Spirit ist hier keine bloße Phrase, sondern immer spürbar.
Es stimmt schon, die Platte strebt trotzdem eher in große Arenen als in kleine verschwitzte Clubs. Aber angesichts solcher Hits wie "Gates" oder dem gelungenen Abschluss "Freedom Bridge", die negative Erfahrungen zu melancholischen Kleinoden mit ganz viel Hoffnungsschimmern kann man ihnen den möglichen Durchbruch auf breiter Ebene durchaus gönnen. Alte Fans können natürlich trotzdem enttäuscht sein. Ihnen entgeht dann aber eine zumindest über weite Strecken wirklich tolle Rockplatte.
Tito Wiesner 7.5/10