Chris Murray




Ein paar wenigen dürfte vielleicht noch der Name KING APPARATUS etwas sagen, denn nicht zu unrecht gelten die Kanadier, die vor allem Anfang der 90er aktiv waren noch als ein der besten Bands, die Kanada im Bereich des Ska hervorgebracht haben. Während sie seit ein paar Jahren fast gar nicht mehr aktiv sind, ist es ihr ehemaliger Frontmann CHRIS MURRAY immer noch umtriebig und so hat er seit dem quasi Ende 1995, zwei CDs und eine EP veröffentlicht, wobei sein letztes Werk "4Trackaganza" im Frühjahr auf Asian Man Records erschien. In erster Linie nur mit seiner Akustik Gitarre und eher spärlicher Instrumentalisierung bewaffnet, gibt er einen sehr relaxten Mix aus Rocksteady, 2Tone, Ska, Reggae und Rock zum Besten, der genau das richtige für die sonnige Jahreszeit ist.

Mittlerweile kann Chris auf knapp 15 Jahre zurückschauen, in denen er musikalisch aktiv war. 1987 gründete er KING APPARATUS, die bis 1993 drei Alben veröffentlichten (von denen vor allem ihr letztes "Marbles" verdammt cool ist) und die sich dann 1995 zurückzogen und erst in letzter Zeit wieder ein wenig aktiver sind. Seit dem ist Chris auf Solopfaden unterwegs, wobei er den für Ska/ 2Ton/ Rocksteady unüblichen Weg geht und nur mit einer Akustik Gitarre bewaffnet seine Songs zum besten gibt. "Nachdem ich fast 9 Jahre in King Apparatus war, konnte ich nicht einfach eine neue Band gründen und mit ihr weiter machen. Als wir damals "Marbles" gemacht haben, war unser größtes Ziel innovativ zu sein, Ska weiter zu führen und in meiner Jugend habe ich oft Leiter bei Zeltlagern gemacht und so eine menge Erfahrung mit Lagerfeuer Sing-Alongs gemacht. So kam es, dass ich nur mit meiner Akustik Gitarre auf die Bühne gegangen bin, wobei am Anfang viel Leute schon komisch geschaut haben."

Auch in anderen Bereichen hebt er sich von anderen ab, so nimmt er grundsätzlich nur mit einem 4 Spur Gerät auf, während der Standart bekanntlich 24 Spuren ist, was seinen Platten eine eigene Note verleiht. "Bei King Apparatus habe ich immer ein 4 Spur Gerät benutzt um den anderen meine Ideen zu zeigen, da ich Musik nicht gut in Worte fassen kann, aber ich weiß in meinem Kopf immer genau wie ein Song klingen soll. Als ich dann mehr Zeit hatte Songs zu schreiben, habe ich immer ein 4 Spur Gerät benutzt um sie aufzunehmen, da es handlich ist und immer in der Nähe war. Irgendwann hatte ich dann einige Aufnahmen, die mir wirklich gefallen und daraus entstand dann meine erste Platte für Moon Ska. Außerdem hat man keine Studio Uhr die tickt und ich kann ganz relaxt und wann immer ich es will arbeiten und das beeinflusst natürlich stark den Vibe der Platte."

Das dies aber auch nicht immer ein ganz leichtes unterfangen ist kann man sich vorstellen, nicht umsonst geben die meisten Bands Tausende Mark für ein gutes Studio aus. "Es ist natürlich eine Herausforderung eine Platte auf nur 4 Spuren aufzunehmen, aber je mehr ich damit arbeite, um so mehr Wege finde ich, ein Platte stark und gut klingen zu lassen." Neben seinem Soloprojekt war er in den letzten Jahren aber auch ansonsten recht fleißig und arbeitete nach seinem Umzug nach LA mit zahlreichen anderen Bands zusammen und ist so auch als Gast auf den Platten von Größen wie HEPCAT, den SLACKERS oder auch den SKATALITES zu hören.

Bei vielen Soloprojekten hat man doch das Gefühl, dass die Studioarbeit wichtiger ist, als live zu spielen, nicht ganz so verhält es sich bei Chris. "Für mich war es eigentlich ganz normal, nur mit einer Akustik Gitarre auf die Bühne zu gehen, aber wie ich dann merkte war es für die meisten Leute in der Ska Szene etwas sehr ungewohntes. Am Fang waren die meisten Leute sehr irritiert, aber mittlerweile verstehen sie meinen Herangehensweise an den Ska und werden ein Teil der Show. Ich habe nie eine Setliste sondern lasse mich einfach von der Stimmung tragen und sehe was passiert. Oft ist es auch so, wenn ich mit Bands spiele die ich gut kenne, kommen ein paar Gäste auf die Bühne und begleiten mich einfach. Letztes Wochenende sind z.B. Denston und Alex von HEPCAT mit auf die Bühne gekommen und haben mit mir gesungen und in den nächsten Tagen wird Vic Ruggiero von den SLACKERS mich begleiten, obwohl wir noch nie zusammen geprobt haben."

1997 führte ihn sein Weg auch schon mal nach Europa und Deutschland, wobei sein Eindruck eher gemischt war. "Ich hatte das Gefühl, dass die Leute wussten das Ska in der Zeit groß in den Staaten war, aber die meisten schienen ihre Aufmerksamkeit doch eher den großen Bands wie den Bosstones, No Doubt oder Sublime zu widmen." Zurückkommen will er aber auf alle Fälle und arbeitet gerade an einem Deal, so dass seine Platten auch hier nicht nur als Import zu bekommen sind. Hoffen wir, dass es bald mal klappt, denn nicht alle sind so ihrer Musik verschrieben wie er, wie auch noch mal bei seinen letzten Worten des Email Interviews deutlich wurde. "Trotz all der Höhen und Tiefen, die Ska in den letzten 15 Jahren hatte, fühle ich mich geehrt ein Teil von etwas gewesen zu sein, an dass ich vom tiefsten Inneren her glaube. Ich bin froh, dass ich all die Jahre nicht an irgendeinem Schreibtisch gearbeitet habe, auch wenn ich viel mehr Geld verdient hätte. Ich liebe das was ich tue und hoffentlich werde ich es noch eine ganze Weile machen!!!"

Kai Wydra



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