Millencolin-Sänger Nikola Sarcevic wandelt ja bereits seit Jahren auf Solo-Pfaden, sein Bandkollege Mathias Färm hat jetzt allerdings ebenfalls ein zweites Baby neben Millencolin – unter dem Namen Franky Lee widmet er sich auf dem Debütalbum „Cutting Edge“ (VÖ: 26.01.) mit Ex-Peepshows-Mann Magnus Hägerås und Fredrik Granberg von Randy eingängigen Rocksongs irgendwo zwischen Jimmy Eat World, Foo Fighters und Afghan Whigs. Das Ganze ist dabei die Umsetzung eines lange gehegten Traums, wie Mathias uns gut gelaunt in einem seiner ersten Interviews als Franky Lee mitteilte.
Mathias, kannst Du Dich erinnern wie Du Dich gefühlt hast, als das Franky Lee-Album komplett im Kasten war?

Ich war stolz, verdammt stolz. Ich bin der Meinung, dass die Platte verdammt gut geworden ist – obwohl wir am Anfang ja noch gar nicht wussten, wie sich das Ganze entwickeln würde. Es gab zwei Aufnahme-Sessions: Eine im Februar 2006, bei der wir uns noch gar nicht im klaren waren wie Franky Lee eigentlich klingen würden; wir hatten bis dato auch nie wirklich geprobt. Die zweite Aufnahme-Periode war dann im Juni 2006 und deutlich einfacher; zu dem Zeitpunkt hatte sich ja schon herauskristallisiert, was Franky Lee ausmacht.
Angeblich hattest Du dich ja schon seit Jahren mit dem Gedanken getragen, eine neue Band zu gründen, das allerdings nie in die Tat umgesetzt. Was hat den Ausschlag gegeben, dass es diesmal geklappt hat?
Mir war es peinlich, dass ich zwar seit Jahren davon redete, eine neue Band zu gründen, das aber dann nie umsetzte. Jetzt musste endlich mal was passieren, nachdem ich so lange immer nur davon geredet hatte. Hinzu kamen einige glückliche Umstände – Millencolin hatten ein Jahr Pause eingelegt, und die Tatsache, dass wir ein eigenes Studio haben und somit bei den Aufnahmen unter keinem Zeitdruck standen, half natürlich ebenfalls.
Angeblich hat der Alkohol ja auch eine recht große Rolle bei der Entstehung von Franky Lee gespielt….
Oh ja, das stimmt. Man gründet halt immer Bands, wenn man betrunken ist – dann spricht man darüber, was man alles tolles machen will, und am nächsten Morgen, wenn alle wieder nüchtern sind, sind die guten Vorsätze wieder vergessen oder man hofft sogar, dass niemand anruft und einen daran erinnert, was man am Vorabend erzählt hat. Aber klar, Alkohol gibt halt auch Mut etwas anzupacken, und insofern war Alkohol auch bei Franky Lee wichtig.
Die Band ist ja hauptsächlich dein Baby. Haben die anderen beiden in der Band trotzdem kreatives Mitspracherecht?
Es stimmt schon, Franky Lee ist hauptsächlich meine Band. Das ist mein Traum, den ich endlich in die Realität umgesetzt habe, und insofern bestimme ich auch den Sound und vieles mehr. Ich würde sagen 80 Prozent der Musik stammt von mir, 20 Prozent lasse ich die anderen beeinflussen.
Auf Eurer Homepage unterstreichst Du deutlich, dass Franky Lee eine eigene Band und nicht nur ein Seitenprojekt sind. Hast Du Angst, dass viele das Ganze nur als „Hobby des Millencolin-Gitarristen“ sehen?
Angst nicht wirklich, aber mir ist es halt wichtig festzuhalten, dass das Ganze nicht nur ein Spaß ist, sondern mein voller Ernst. Seit Jahren habe ich mir gewünscht, selber in einer Band zu singen. Als ich damals mit Nikola meine erste Band gegründet habe – das war 1991 – war ich auch der Sänger, später zeigte sich dann aber, dass Nikola der bessere Mann dafür ist. Trotzdem hatte ich nie den Traum aufzugeben, selbst zu singen. Und es macht großen Spaß – auch wenn es eine ganz schöne Herausforderung ist.
Inwiefern?
Naja, mit Millencolin live zu spielen ist einfach – ich spiele Gitarre, singe ab und zu ein bisschen Background Vocals und kann mich ansonsten darauf konzentrieren, einfach eine gute Zeit zu haben. Bei Franky Lee muss ich jetzt mit dem Alkohol vorsichtig sein, um meine Stimme nicht zu ruinieren, und sogar Gesangsstunden nehmen, um zu lernen eine ganze Tour durchzuhalten.
Bisher habt Ihr ja nur eine Handvoll Shows gespielt – unter anderem ein Konzert im Vorprogramm von My Chemical Romance in Stockholm.
Wir haben gerade mal 5 Konzerte gespielt, und der Support-Gig für My Chemical Romance war einer davon. Ich glaube nicht dass sich die ganzen jungen Mädchen im Publikum für uns interessiert haben, die waren alle nur für My Chemical Romance da. Aber uns ging es halt vor allem darum, ein bisschen Spielpraxis zu bekommen, und dafür war die Show ganz gut.
Du hast mal erwähhnt, dass man als Sänger in einer Band den Vorteil hat, sich wie ein Arschloch aufführen zu können. Nutzt Du das jetzt massiv?

(Lacht) Naja, es ist doch so – als Sänger hat man immer eine Art Sonder-Status. Man kann auf dem besten Platz im Bus bestehen, Interviews ablehnen und viele solcher Dinge – einfach mit der Begründung, dass man sich ja um seine Stimme sorgt und die schonen muss. Das ist schon komfortabel! Ich meinte den Spruch aber natürlich nur auf die anderen Bandmitglieder bezogen, nicht auf das Publikum – dem gegenüber sollte man sich nie als Arschloch verhalten.
Apropos Publikum: Wie denkst Du werden die Millencolin-Fans auf Franky Lee reagieren? Manche Songs sind ja gar nicht so viel anders als das, was Du in deiner anderen Band spielst.
Das stimmt, manche der Franky Lee-Songs hätten vielleicht auch auf ein Millencolin-Album gepasst. Aber das ist ja das Schöne bei Franky Lee: Es gibt keine Erwartungshaltung – wir fangen bei Null an, und die Leute können noch gar keinen bestimmten Sound erwarten oder vermissen.
Etwas seltsam fand ich, dass Ihr „The World Just Stopped“ als erste Single gewählt habt – der Song erinnert nicht nur stark an die Foo Fighters, sondern unterscheidet sich auch deutlich von den meisten anderen Stücken auf dem Debüt.
Das stimmt. Wir haben ihn einerseits ausgewählt, weil es einfach ein sehr guter Song ist, andererseits, weil er eben auf keinen Fall wie Millencolin klingt; es sollte keiner den Eindruck bekommen, dass meine neue Band ein Millencolin-Abklatsch ist.
Wenn wir schon bei Millencolin sind: Wann darf man da mit einem neuen Album rechnen?
Wir wollen im Herbst ins Studio, Ende 2007 dann auf Tour gehen und wahrscheinlich im Februar oder März 2008 die neue Platte veröffentlichen.
Ok, zum Abschluss dann noch zwei Fragen zu Bandname- und Artwork: „Franky Lee“ habt Ihr ja einem Bob Dylan-Song entnommen….
Genau, The Ballad Of Franky Lee & Judas Preist. Judas Priest war ja schon weg, also mussten wir uns ja Franky Lee nennen….
….weil Ihr so große Bob Dylan-Fans seid?
Haha, nein, nicht wirklich. Eigentlich ist es bloß ein Name. Bandnamen aussuchen ist recht schwierig, aber man sollte gerade bei uns keine tiefgründige Story dahinter erwarten.
Und woher kommt die Faszination für Messer? Davon gibt es auf dem Cover und im Boioklet ja so einige.
Das Ganze passt halt gut zum Album-Titel „Cutting Edge“. Erik von Millencolin hat das Artwork gemacht, und ich bin ziemlich zufrieden damit wie das Ganze letztendlich geworden ist.
Ok, letzte Frage: Im März kommt Ihr das erste Mal auf Deutschland-Tour – was erhoffst Du Dir von den Shows?
Das wird sehr spannend – wir wissen momentan einfach nicht, wie die Shows werden und wie viele Leute vorbeikommen. Aber wir freuen uns drauf; auch wenn wir letztendlich vielleicht nur vor 40 Leuten spielen….
Tito Wiesner