Lavotchkin


Vor kurzem haben Lavotchkin eine Split-CD mit ihren Kollegen von Crocus veröffentlicht. Anschließend tourten die beiden britischen Bands gemeinsam durch Europa und machten auch in Berlin halt, wo Lavotchkin ihre Mischung aus Hardcore-Punk, Chaos und D-Beat eindrucksvoll im Subversiv präsentierten. Gitarrist Martin Downing hat dem Waste of Mind einige Fragen beantwortet.

In Eurer Info heißt es "from the Grim North", wo genau kommt Ihr her?

Drei von uns leben in Newcastle upon Tyne, das ist "The Grim North". Dort wohnen unser Bassist Hub, unser Sänger Si und ich. Dann haben wir noch unseren Gitarristen Ben, der in einem Dorf namens Yarm lebt. Etwa eine Stunde südlich von uns. Poz, unser Drummer, lebt in Darlington, etwa 40 Minuten südlich. Trotz der Distanz kommen wir mit der Situation aber ganz gut zurecht.

Was macht Ihr neben der Band? Ich vermute, Ihr könnt nicht von der Musik leben.

Von der Band können wir definitiv nicht leben, haha. Wir haben alle Jobs, in denen wir arbeiten, wenn wir zu Hause sind. Si arbeitet in einem Bekleidungsgeschäft und verkauft einige der überteuertsten Klamotten Englands. Poz ist Elektriker, Ben Gitarrenlehrer. Hub hat sich gerade selbstständig gemacht und bedruckt T-Shirts. Ich arbeite mit lernbehinderten Menschen. Um dem zu entkommen, touren wir! Wenn wir nicht gerade auf Tour sind, haben wir alle recht viel zu tun, um unsere Rechnungen zu bezahlen. Daher sind wir arme Jungs, aber wir machen es eben so, da wir die Touren lieben.

Und Ihr scheint ja recht viel unterwegs zu sein. Wie funktioniert das denn mit Euren Familien und Jobs?

Manchmal ist es ein Alptraum, die Touren und unser Leben aufeinander abzustimmen. Irgendwie hat es bisher aber immer geklappt. Wir alle haben momentan unsere Jobs, die uns überhaupt erst ermöglichen auf Tour zu gehen. Unsere Freundinnen verstehen uns, was das angeht. Du bist nur einmal jung und musst Deine Chancen nutzen. Wir waren dieses Jahr sehr viel auf Tour, haben die Split und unser Debütalbum aufgenommen - und wir hatten eine richtig gute Zeit.

Alles in allem waren es bisher gut 45 Tage auf Tour plus 19 Tage im Studio, geteilt in drei Sessions. Das sind mehr als zwei Monate fernab der Realität! Ich fange recht schnell an mich zu langweilen. Ich wüsste also nicht, was ich ohne Lavotchkin machen sollte, haha. Newcastle ist einfach zu klein.

Gibt es zwischen Euren Songs auf der Split mit Crocus und Eurem alten Material Unterschiede?

Als wir unsere erste EP aufgenommen haben, haben wir hauptsächlich Bands wie Botch, Converge, Curl Up And Die oder frühe Cave In gehört. Als wir angefangen haben, wollten wir einfach nur hart und noisy sein - über viel mehr haben wir nicht nachgedacht. Wir haben einfach herumprobiert. Ich würde unsere erste EP mit dem früheren Chariot-Material gemischt mit Botch-Riffs vergleichen. Die Split, die wir mit Joseph aufgenommen haben, war dann schon mehr Upbeat und noisy, wie es Converge sind.

Während wir neue Songs geschrieben haben, haben wir immer versucht, uns weiterzuentwickeln. Eine EP, eine Split-CD und eine lange verzögerte 7inch haben also zu dem Sound geführt, den Du auf der Crocus-Split hörst. All das war eine Vorbereitung auf unser Debütalbum. Wir wollten unseren eigenen Sound finden, bevor wir das Album aufnehmen. Ob uns das gelungen ist, sollen die Hörer beurteilen, wenn das Album erschienen ist. Aber ich bin überzeugt, dass wir es geschafft haben.

Welche anderen Einflüsse habt Ihr so und wie wichtig sind Converge? Beim Konzert in Berlin hatte Ben ja ein Converge-Shirt an...

Wir sind alle schon lange Converge-Fans. Converge sind eine sehr inspirierende Band und sie hatten bis heute einen großen Einfluss auf uns. Das Album hat meiner Meinung nach aber nicht mehr so den großen Converge-Einfluss. Wir sind dem etwas entwachsen. Letztlich beeinflussen uns so viele Bands, von Rise And Fall über Suicide File bis zu Joy Division und viele andere. Generell hören wir sowohl härtere als auch rockigere Hardcore-Bands, aber auch Indie-Pop, Drum and Bass, Hip Hop und lauter 80er-Zeug. Das gefällt uns alles.

Gibt es bei Euren Texten irgendein Hauptthema?

Si schreibt über viele verschiedene Dinge. Auf unserer ersten Platte "Suicide Cult" geht es um seine Angst vor Quellen aber auch um sehr persönliche Sachen aus seinem Leben. Er nimmt sich immer viel Zeit für die Texte und wir finden seine Themen sehr interessant. Niemand will immer und immer wieder dieselbe Geschichte hören. Die vielen Seiten mit seinen Texten für unser Album ließen sie schon wie ein kleines Buch wirken.

Euer Album hast Du jetzt ja schon ein paar Mal erwähnt. Wie steht es damit?

Wir haben den Großteil davon im Mai mit unserem guten Freund Jason Sanderson in Barnsley aufgenommen. Dann haben wir später noch ein paar Tage mit dem Finetuning verbracht. Das Ganze lief wesentlich besser als erwartet und wir sind sehr stolz auf das Ergebnis. Momentan haben wir die ersten Rough Mixes und alles ist auf dem besten Wege, um die finalen Mixes fertig zu bekommen. Wenn wir die haben, schicken wir sie Alan Douches in den Staaten, damit er das Mastering übernimmt.

Wir haben zwölf Songs aufgenommen und die sind wirklich einen Schritt weiter als unsere bisherigen Songs. Leider braucht alles seine Zeit und das Warten bringt uns um. Aber uns ist ja auch klar, dass es sich lohnt zu warten. Alles was wir als Band gemacht haben, war Vorarbeit für unser erstes Album. Deshalb war uns wichtig, dass wir hundertprozentig dahinter stehen. Wir hoffen, die Leute werden es mögen.

Gibt es schon ein Label, das Euer Album veröffentlicht?

Nein, wir haben noch kein Label. Bisher haben wir mit sechs Labels gearbeitet und warten ganz bewusst auf die fertigen Mixes, bevor wir mit Labels sprechen. Wir haben so hart an dem Album gearbeitet und wollen jemanden finden, der dem gerecht wird. Bei der Arbeit mit sechs Labels haben wir außerdem schon viel gelernt und wissen nun eher, wonach wir suchen. Es wird sich herausstellen, was mit dem Album passiert. Wünsch uns Glück!

Kürzlich habt Ihr als Support für Darkest Hour in Prag gespielt und in Eurem Blog machte es den Anschein, als wäret Ihr deshalb sehr aufgeregt. Wie war es?

Die Show war cool! "The Mark Of The Judas", "So Sedated, So Secure" und "The Saddist Nation" sind drei meiner Lieblings-Metal-Alben und als ich 18 war, habe ich eine Darkest-Hour-Show in Newcastle veranstaltet. Sie hatten einen Tag frei als sie mit Anti-Flag auf Tour waren, und haben in einer kleinen Kellerbar gespielt. Das war so fantastisch! Wir haben die Show auch gefilmt und das Video ist auf der DVD der Special Edition von "Saddist Nation" gelandet. Meine Show auf der DVD zu einem meiner Lieblingsalben... Als wir gefragt wurden, ob wir mit Darkest Hour in Prag spielen wollen war es für mich, als könnte ich einen Kindheitstraum erfüllen. Als ich damals die Show mit ihnen veranstaltet habe, hatte ich noch nicht in einer Band gespielt, die Konzerte gegeben hat und hätte mir nicht träumen lassen, dass ich durch UK oder gar das Festland touren und dann auch noch vor Darkest Hour spielen würde.

Ich bete Darkest Hour nicht an oder so was. Ich war eher aufgeregt, da ich etwas vervollständigen konnte, wofür eine jüngere Version von mir gestorben wäre. Der Rest von uns fand es einfach nur cool, dass wir mit einer Band ihrer Größe in Prag spielen konnten, haha. Wir sind eine kleine Band und freuen uns über jede Chance dieser Art.

Wie lief die Europa-Tour denn generell?

Es war eine wirklich gute Tour. Es war unsere vierte Tour mit Crocus, die mittlerweile zu unseren engsten Freunden zählen. Es war also viel Spaß dabei und da Crocus eine super Band sind, macht es auch Spaß, sie so oft live zu sehen. Es klingt blöd, aber jede Show war auf ihre Art und Weise gut. Meine Favoriten waren die Shows in Süddeutschland. Jede Nacht Party mit vielen Freunden und wir hatten das beste Publikum dort. Es gab sechs Leute, die zu drei oder vier verschiedenen Shows kamen - das war richtig cool. Sie sind dafür bis zu sechs Stunden gefahren, was wir gar nicht glauben wollten. Es ist immer gut, viele Freunde um sich zu haben, wenn man nicht zu Hause ist. Und auf Tour in Europa haben wir immer am meisten Spaß - wir kommen also wieder, so lange man uns sehen will.

Ihr wart ja schon ein paar Mal auf dem europäischen Festland. wie war es und wo liegen die Unterschiede zu den Touren in UK?

Wir waren vier Mal in Europa auf Tour und jedes Mal war so unwirklich. Auf dem Festland kümmern sich die Leute um die Bands, schätzen die Shows viel mehr und nehmen Dich viel besser auf als bei uns zu Hause. Kostenloses Essen und Getränke gibt es in UK meist nur, wenn es vorher im Band-Rider verlangt wird. Natürlich gibt es auch in England einige richtig gute Promoter, aber auch verdammt viele schlechte.

Europäischen Bands, die in UK touren wollen, würde ich immer raten sich eine englische Band zu suchen, um gemeinsam auf Tour zu gehen. Es gibt hier bei uns so viele Bands und Konzerte, dass niemand kommt, wenn der Name einer Band nicht bekannt ist. Versteh mich nicht falsch, es gibt Ausnahmen. Aber oft läuft es so und ich kenne viele Bands, die schlechte Erfahrungen auf einer England-Tour gemacht haben.

Gab es auf Euren vielen Touren irgendwelche besonders lustigen Erlebnisse?

Auf unserer ersten Österreich-Show hatten wir einen verrückte Shot-Trinkwettbewerb. Das endete damit, dass wir nackt in einem zufällig gefundenen Swimmingpool landeten. Greg von Crocus lief nach dem Wettbewerb direkt aus der Venue und fiel in Scherben. Dabei hat er sich die Hand so aufgeschnitten, dass er total besoffen mit unserem Gitarristen Ben ins Krankenhaus fahren musste. Eine richtig lustige Nacht, auch wenn der nächste Tag echt hart war. Mit unserem Kater haben wir auf jeden Fall für unsere Sünden bezahlt.

Es gab noch viele andere lustige Momente. Aber da es bei Euch immer kostenlosen Alkohol auf den Shows gibt, erinnere ich mich nicht mehr an viel. Da wir soviel getrunken haben, müssen wir jetzt in England erst mal wieder fit werden, um den Schaden zu kompensieren.

Wie würdest Du den Zustand der englischen Hardcore-Szene beschreiben?

Unsere Szene ist momentan etwas übersättigt. So viele Bands versuchen so unterschiedliche Sachen zu machen. Dadurch liegt die Messlatte - wie gut eine Band sei muss um hier durchzukommen - höher als früher. Gleichzeitig gibt es immer weniger Indie-Labels - also gibt es zwar immer mehr Bands, aber immer weniger Labels, bei denen sie unterkommen könnten. Ja, ich würde sagen, es ist derzeit sehr hart. Auch wenn wir keine besonders große Band in UK sind, haben wir das Glück sehr viel touren zu können.

Ich habe oft den Eindruck, dass die meisten englischen Bands, die in Deutschland bekannt sind, die typischen Kerrang-Hypes sind. Gibt es englische Bands, die Du unseren Lesern empfehlen möchtest?

Ihr solltet die folgenden Bands auschecken:
+ Crocus - Amazing screamo + amazing live band
+ Attack Vipers - Diy Hardcore Punk heroes + Good live band and good dudes
+ Human Fly - One of the best bands in the UK yet most under appreciated. Their new album will be unreal. (I have heard the tracks live and was blown away.)
+ The Ghost of a Thousand - Bringing their swedish punk influence to the UK. Good dudes, they're a good band that are also doing really well at the minute and really support Lavotchkin.
+ Writhe - Newcastles finest downtuned hardcore band. A new band but well worth a listen.

Julius Stiebert



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Reviews:


/Crocus - Split
30.08.2009



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