Neues Album, neues Glück? Eine ganze Weile war es ruhig um Ashes Of Pompeii aus Marburg. Doch die Band hat sich keinesfalls zur Ruhe gesetzt. Nach der Zusammenarbeit mit dem Tribute-To-Nothing-Label Lockjaw ist dieser Tage das neue Album "Accidental Goals" auf Papership Records erschienen, hinter dem unter anderem Leute von Todd Anderson stehen. Vereinzelt gibt es noch Hinweise auf den alten Sound der Band, doch insgesamt haben sich Ashes Of Pompeii deutlich weiter- und vom alten Sound wegentwickelt. Sänger Tobi und Bassist Michi haben uns ein paar Fragen beantwortet.
Was ist in der Zeit seit Eurem letzten Album alles passiert und wie würdet Ihr selbst Eure Entwicklung seitdem einschätzen?

Michi: Ich denke schon - oder hoffe zumindest -, dass man bemerkt, dass wir nicht stehengeblieben sind und immer noch den gleichen Kram verzapfen, den wir noch 2006 gemacht haben. An der Art, wie wir Musik schreiben hat sich eigentlich nichts geändert. Wir treffen uns immer noch ohne Konzept und schauen dann jedes Mal von neuem, was die Probe bringt.
Tobi: Wir haben seit der Veröffentlichung von "The End Begins Tomorrow" gut 100 Konzerte gespielt, das Album auch in England veröffentlicht, sind auch da getourt und haben insgesamt eine unglaublich gute Zeit mit der Band gehabt. Es schweißt einfach zusammen, wenn du dich in ein viel zu kleines Auto quetscht und hunderte von Kilometern fährst, um dann irgendwo zu spielen und anschließend auf dem Fußboden zu schlafen. Wir feiern das jedes Mal total ab, wenn wir sehen, wie Leute für uns eine Show organisieren, zu einer unserer Shows kommen, CDs von uns kaufen und Shirts von uns tragen. Da merken wir immer wieder, dass wir diese ganze Arbeit nicht nur machen, weil es uns selbst ein gutes Gefühl gibt.
An der grundlegenden Einstellung zur Musik und zu unserer Band hat sich nichts seit dem letzten Album verändert. Wir machen nach wie vor genau das, worauf wir Bock haben. Von außen betrachtet unterscheidet sich das neue schon stark von dem alten Album, aber das liegt auch einfach daran, dass diese beiden Momentaufnahmen eben nur sehr komprimiert die ganzen kleinen Entscheidungen und Ereignisse wiedergeben, die sich in den drei Jahren dazwischen abgespielt haben.
Der erste Kommentar unter unserem Review war nicht gerade positiv und ein eher mäßiges Review habe ich auch schon gelesen - wie sind die Reaktionen denn insgesamt bisher ausgefallen?
Michi: Es tut schon ein bisschen weh, wenn man sich für ein Album den Arsch aufreißt und dann wird es verrissen, obwohl wir kein Problem damit haben wenn etwas konstruktiv kritisiert wird. Aber stumpf sagen, etwas ist scheiße, muss nicht wirklich sein. Alles in allem warten wir noch auf die meisten Reviews und googlen eigentlich jeden Tag. Im OX haben wir aber schon mal 9/10 Punkten bekommen, was uns wirklich sehr stolz macht.
Tobi: Und letztlich sind das ja auch einfach subjektive Meinungen und ob das dann jemandem gefällt oder nicht liegt nicht in unserer Hand. Die guten Reviews sind definitiv die, bei denen wir merken, dass sich der Rezensent auch wirklich Zeit genommen hat und mit dem Album auseinandergesetzt hat. Und wenn es ihm dann noch gefällt, ist das natürlich fantastisch!
Hattet Ihr Angst davor, Euren alten Fans mit dem neuen Material vor den Kopf zu stoßen?

Michi: Wir haben die Songs nicht für jemanden geschrieben und jeder der die neue Platte hört, wird wohl schnell merken, dass man "Accidental Goals" nicht mit "The End Begins Tomorrow" vergleichen kann. Irgendwann kam der Tobi vor ner Probe zu mir und sagte: WIch hab grad nen interview mit Dustin Kensrue von Thrice gelesen. Da meinte er: Hey, wir lieben unsere Musik und sind selber Musiknerds. Wenn also irgendwann nur noch zehn Nerds unsere Musik hören ist das dann auch gut so." Ich finde das trifft es wohl ganz gut.
Tobi: In den drei Jahren seit dem letzten Album hat sich einiges verändert. Das geht uns bestimmt nicht anders als denjenigen, die „The End Begins Tomorrow“ im Schrank stehen haben. Es wäre nur berechnend und idiotisch, jetzt mit der Einstellung an eine zweite Platte zu gehen, dass man da irgendwen bei der Stange halten will. Wir sind ja keine Popband, die in die Charts kommen muss, weil sonst jemand von der Plattenfirma seinen Job verliert! Wir sind genauso unbedarft wie beim letzten Mal an die Songs rangegangen und haben einfach gemacht. Und jetzt hoffen wir eben darauf, dass sich die Leute darauf einlassen.
Wir wird das live laufen: alte und neue Songs nebeneinander?
Tobi: Wir haben die Songs des neuen Albums auch schon auf den letzten Konzerten gespielt. Das haben wir mit neuen Songs immer so gemacht, weil wir dann einfach wissen, wie sie sich anfühlen und noch weiter daran arbeiten können. Deshalb sind eben auch immer mehr alte Songs rausgeflogen. Nicht, dass wir keine Lust mehr drauf hätten, die „The End...“-Songs zu spielen, aber die neuen Songs fühlen sich eben einfach besser an im Moment.
Ihr wart ja bei Lockjaw unter Vertrag - deutsche Band auf englischem Label. Wie war das für Euch und warum seid Ihr dort nicht geblieben?
Tobi: Wir haben mit der Zusammenarbeit mit Lockjaw und der Tour in England wichtige Erfahrungen gesammelt, aber der Vertrag war von vornherein nur auf die Veröffentlichung des letzten Albums in England beschränkt. Deswegen stand es gar nicht erst zur Diskussion, ob die neue Platte jetzt auch dort erscheint. Zudem ist es auch so, dass ein englisches Indielabel eben auch hauptsächlich in England operiert und dort Kontakte und Möglichkeiten hat, was uns als deutsche Band auch nur begrenzt voranbringt.
Wie kam es dann schließlich zu der Zusammenarbeit mit Papership?

Tobi: Hinter Papership stecken ja alles Freunde und gute Bekannte von uns, mit denen wir uns im letzten Jahr zusammengesetzt und über "Accidental Goals" gesprochen haben. Wir haben dann alle schnell gemerkt, dass wir uns da in unseren Vorstellungen und der Herangehensweise einig sind und deshalb waren wir sehr froh, dass sie die Platte machen wollten. Wir sind einfach glücklich darüber, dass sie uns schon vor der Produktion im Tonstudio45 so viel Vertrauen gegeben haben und uns einfach machen ließen und insgesamt soviel Arbeit in die Platte gesteckt haben.
Ihr seid im November zusammen mit Todd Anderson auf Tour. Die sind ja deutlich härter als Ihr, was erwartet Ihr von der Tour?
Michi: Ach die Jungs blasen wir doch locker weg, hahaha!
Tobi: Wir freuen uns schon lange auf die Tour, weil wir alle große Fans der letzten Todd-Anderson-Platte "Zufluchtsort" sind und wir uns mit ihnen auch einfach gut verstehen. Wir haben schon mit vielen Bands zusammen Konzerte gespielt und sind auch schon mit einigen getourt und hatten sehr oft das Gefühl, dass wir da eigentlich von der Musik her nicht reinpassen. Ich glaube, dass Leute, die auf ein Todd-Anderson-Konzert gehen schon mal von vornherein nicht so in Genre-Kategorien denken und sich deshalb auch auf uns einlassen werden. Andersrum kann ich das auch von denen behaupten, die wegen uns kommen.
Was ist ansonsten in nächster Zeit aus dem Hause Ashes of Pompeii zu erwarten?
Tobi: Wir werden im Rest diesen Jahres und auch im ganzen nächsten Jahr so viele Konzerte spielen, wie wir können, weil es das ist, worum es uns am meisten geht. Es macht einfach unglaublichen Spaß, durch die Gegend zu fahren und in Städten zu spielen, die man vorher noch nie gesehen hat und Leute vor der Bühne stehen zu sehen, die aus unserer Musik etwas für sich ziehen. Leute, die wegen uns gekommen sind, um sich das anzuhören, was wir uns in unserem Proberaum zusammengefummelt haben.
Julius Stiebert