Horse The Band


Über unaufgeschlossenen Chinesen bis hin zu einer unvergesslichen Zeremonie in
Weißrussland, Horse the Band hat während ihrer dreimonatigen „Earth Tour“ mehr gesehen als manch andere Band. Was sie uns in Hamburg erzählt haben, könnt ihr
im Folgenden lesen… Das kurze Interview fand in der Markthalle mit dem Gitarristen David Isen statt.


Horse The Band waren in letzter Zeit richtig viel unterwegs. Ihr habt bestimmt eine Menge gesehen und erlebt. Zum Beispiel eure selbst finanzierte „Earth Tour“, 36 Länder in 3 Monaten. Auf der Tour habt ihr auch in vielen Ländern gespielt, in denen nicht so häufig amerikanische Bands im Rahmen ihrer Tour Halt machen, als Beispiel Weißrussland, Wuhan oder Bangkok. Was für Unterschiede habt ihr in diesen Ländern bezüglich der Annahme eurer Musik
bemerkt, die ja schon sehr speziell ist?


Die Tour war so durchgeknallt!!! Das war glaube ich die verrückteste Tour, die eine Band jemals gemacht hat!! Aber das passt ja zu uns! (lacht)
Genau, wie du gesagt hast, wir waren auch in Weißrussland. Die erste amerikanische Band nach 5 Jahren! Damals waren Cannibal Corpse da. (lacht) In Asien zum Beispiel….da liegen verdammt viele Länder so dicht aneinander…und doch sind sie kulturell so gegensätzlich und unterschiedlich…Malaysia und Singapur sind genau so wie Europa und die USA, was die Musik angeht…Einen Tag später in
China…Bäng! Komplett anders. Die Chinesen haben keine Ahnung was abgeht.
Das Publikum steht einfach nur rum und fragt sich, was macht diese chaotische Band aus Amerika hier??? Sie haben versucht sich auf unsere Musik einzulassen, dass hat man schon gemerkt, aber sie haben es einfach nicht verstanden. Insgesamt waren alle Länder uns gegenüber aber sehr offen. Asien war schon irre…den einen Tag spielst du vor 14 Leuten in Anzügen und den nächsten Tag stehst du vor 5000 Kids.

Wie lief das Ganze in Belarus (Weißrussland) ab? War es schwer dort eine Show zu organisieren? Das letzte Mal war ja 5 Jahre her…

Wir arbeiten in Belarus mit einem Promoter zusammen, der wollte uns unbedingt haben. Wir mussten uns nur die Visa besorgen, wie für die meisten anderen Länder auch! Und den Flug natürlich…jeder von uns brauchte für die komplette Tour 27 Flüge…krass oder???
Naja, und mit der Regierung in Weißrussland gab es auch keine Probleme. (lacht)

Also ihr musstet nicht das Militär bestechen?!

Das ging alles recht schnell! Belarus war unter allen Umständen ein richtiges Erlebnis und eine Riesenshow! Die Leute hatten schon seit langer langer Zeit auf uns gewartet. Sie konnten es kaum erwarten, dass wir auf der Bühne stehen. Dann war es soweit… Vorhang auf! Mir selber hat es sehr viel bedeutet in diesem Moment dabei zu sein. Vor uns stand ein Publikum, das so hungrig auf unsere Musik war, dass man das gar nicht in Worten beschreiben kann. Das war keine normale Show!

Wie bereitet ihr euch auf eine derartige Show vor? Gibt es bestimmte „Rituale“…wie den anderen ins Gesicht zu hauen oder so?


Haha! Ne, eigentlich machen wir sowas nicht. Wir hängen vor einer Show nicht so aufeinander rum. Wir gehen getrennt auf die Bühne… und wenn wir uns dann da oben treffen, ist es eher so wie: „Hey, was machst du denn hier? Was fürn Zufall…“ Wir sind eher ein bisschen verpeilt, was das angeht. Unser Sänger ist immer total zugeballert, wenn er auf die Bühne geht. Ich weiß nicht, ob das ein Ritual ist aber (überlegt)….er ist jeden Abend komplett betrunken!

Ihr habt bestimmt reichlich Erfahrungen während eurer „Earth-Tour“ gesammelt, besonders wenn man in solchen Ländern wie China, Thailand oder auch im Mittleren Osten unterwegs ist. Oft sind es auch Erfahrungen, die nicht
so schön sind. Hatten diese Tourerlebnisse einen großen Einfluss auf den Entstehungsprozess zu „Desperate Living“?


Definitiv! Das Reisen durch diese vielen verschiedenen Länder hat unsere Weltansicht total umgekrempelt. Sei es gut oder schlecht. Wir haben Länder gesehen, die uns super gefallen haben. Aber dann kommst du wieder in andere Länder, arme Länder, und siehst Menschen die so am Minimum leben, dass dir die Spucke wegbleibt. Du bist einfach sprachlos! Das hat nichts mehr mit Urlaub oder Touren zu tun, man weiß gar nicht wie man diese Bilder verarbeiten soll. Diese ganzen Sachen haben sich letztendlich auch in „Desperate Living“ niedergeschlagen, besonders textlich.
Dazu muss ich sagen, mein beziehungsweise unser Lieblingssong ist der Titelsong, „Desperate Living“. Der ist am aussagekräftigsten, auch instrumental.

In der letzten Zeit habt ihr ja auch viele Plattenfirmen und Booking-Agenturen passiert, was war da los? Warum der Wandel?

Das waren schon nen paar. Entweder sind sie bankrott gegangen oder wussten nicht, was sie an uns hatten…sie haben sich einfach nicht richtig um uns gekümmert. Aber jetzt sind wir bei Vagrant, unsere neue Heimat! Wir sind glücklich. Von Booking-Agenturen halten wir nicht viel, die haben eh nie was für uns…das Thema ist durch! Die „Earth Tour“ haben wir ja auch aus diesem Grund selber organisiert, die Agenturen hatten in naher Zeit nichts mehr für uns. Da haben wir es selber in die Hand genommen.

Was würdest du deiner Meinung nach am Musikbusiness ändern?

Das Problem momentan ist einfach nur, dass dir keiner sagen kann wo die Zukunft ist. Welche Richtung das Ganze einschlägt. Meine persönliche Meinung…kein Mensch braucht heutzutage Booking-Agenturen! Die wollen doch alle ihr Honorar haben, aber für was? Das sie nen paar Mails verschicken? Pff! Früher war das anders. Und genau das ist es, was mich momentan auch so nervt…Diese herkömmliche Struktur vom Musikbusiness ist so veraltet. Wie zum Beispiel mit den Booking-Agenturen, durchs Internet müssen sie viel weniger tun, nur Mails verschicken, aber wollen trotzdem ein verdammtes Honorar? Wofür?!?! Das kann man auch alles selber bewältigen.

Auf eurer Myspace-Seite steht in eurer Bandbeschreibung, dass ihr aus der Zukunft seid. Also, wann werden die Menschen statt Horse the Band „Horse the Land“ sagen? Wann nehmt ihr die Weltherrschaft unter eure Fittiche? Gibt
es einen Schlachtplan?


(lacht) 2025!!! Wir kamen vor ein paar Jahren hierher zurück. Wir wollten nochmal richtig Spaß haben, bevor wir regieren! Aber bald ist es soweit!!! Macht euch auf was
gefasst!!! Momentmal (überlegt), welches Jahr haben wir grad?

2009.

Das ist ja noch voll lang hin! Shit, wir haben uns schon wieder verbeamt! Fuck! Fuck! Fuck! Passiert uns immer wieder!

Daniel Hotopp

N/A, N/A, N/A



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Desperate Living
29.10.2009



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11 / 2008 in Berlin


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