Vor kurzem haben sich Dominic aus Norwegen mit ihrem neuen Album "Nord" zurück gemeldet. Melodische Gitarren, geschriene Texte, manchmal etwas Postcore sind die Zutaten, die insgesamt ein spannendes Album ergeben. Wir haben Øyvind von Dominic ein paar Fragen gestellt.
Ihr werdet häufig mit JR Ewing verglichen. Ist das eher eine Ehre für Euch, oder nervt es mit der Zeit?

Es ist ein einfacher Vergleich für Rezensenten, wenn sie unsere Musik in Worte fassen wollen. Und es ist ja nichts ungewöhnliches, dass andere Bands als Vergleich herangezogen werden, um den Sound einer Band zu erklären. Wer uns noch nicht gehört hat, kann so vielleicht eine Idee von dem bekommen, was wir machen. Ich denke, JR Ewing und wir haben schon Schnittpunkte, etwa der geschriene Gesang in Verbindung mit den melodischen Gitarren. Und wie sie kommen wir natürlich aus Norwegen.
Es stört uns nicht. Leute können schreiben was immer sie wollen. Unserer Meinung nach waren JR Ewing eine gute Band. Einige Leute hören ein gewisses JR-Element bei uns heraus, andere fühlen sich eher an Envy erinnert. Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Ich finde, wir klingen wie Dominic.
Was waren Eure Einflüsse bei der aktuellen Platte?
Nichts spezielles. Alles von all der unterschiedlichen Musik, die wir zu der Zeit gehört haben, als wir die Songs geschrieben und aufgenommen haben.
Warum heißt das neue Album "Nord"?
Nord heißt "Norden" auf Norwegisch. Unser Land liegt weit im Norden und wir alle sind im Norden von Norwegen aufgewachsen. Außerdem denke ich, der Sound reflektiert einiges, was man mit dem Wort "Norden" verbinden würde - düster, kalt und schroff und auch etwas melancholisch.
Was behandelt Ihr so in den Texten und wie wichtig sind sie im Allgemeinen?
Unser Sänger Dan schreibt alle Texte. Grundsätzlich geht es dabei um all das, was in unserer Gesellschaft so passiert. Und wie es sich anfühlt, als junger Europäer in dieser Welt zu leben. Beobachtungen über Politik und menschliche Beziehungen und so weiter und so fort. Und natürlich sind die Texte wichtig, sie sind ein Teil der Band. Wir erwarten aber nicht von jedem Hörer, dass er sich intensiv mit den Texten beschäftigt. Es ist okay, nur die Musik zu hören. Aber manchen mögen die Texte etwas bedeuten und das ist natürlich eine schöne Sache.
Ihr habt Euer Material ja schon auf vielfältige Art veröffentlicht: Als Kassette, als Minidisc, CD, Vinyl und MP3. Was davon ist Euch am liebsten?
Verschiedene Formate für verschiedene Gelegenheiten. Ich selbst bevorzuge Vinyl, aber das lässt sich eben nur schwer in einen iPod schieben. Es ist großartig, Sachen auf Kassette und Minidisc zu veröffentlichen. Nicht weil ich diese Formate benutze. Sie sind einfach cool und ein kleines Gimmick für Sammler.
Ihr seid kürzlich durch Europa getourt. Wie war es und wo liegen die Unterschiede zu Touren in Norwegen?
Die Tour war von Anfang bis Ende großartig. Wir sind mit unserem Freund Andy herumgefahren und jede Show war gut. Wir haben alte Freunde wieder getroffen und neue Freunde gefunden. Das Essen und das Bier waren gut - es war einfach eine gute Zeit. Außerdem war es für uns super, die neuen Songs live zu spielen, nachdem wir ja einige Male mit dem Vorgänger im Gepäck unterwegs waren. Insofern: Ein großes Dankeschön an alle, die bei den Shows waren!
Was den Unterschied angeht: Jedes Land hat etwas spezielles. In Norwegen muss man lange Entfernungen bewältigen, es gibt keine Autobahn und nicht viele Städte, in denen man spielen kann und wir spielen meist in Clubs oder Konzerthallen.
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Denovali?
Timo und Thomas von Denovali haben 2006 eine Show mit uns in Köln veranstaltet. Es war ein guter Abend. So haben wir sie also getroffen und mittlerweile haben sie zwei unserer Platten veröffentlicht...
All good!
Kannst Du uns einen Einblick in die Hardcore-Szene in Norwegen geben?
Wir haben gerade das "Bodø Hardcore Festival" mit einigen guten Bands zusammen gespielt. Es ist schon das zehnte Mal, dass das Festival stattfindet und es ist nicht weit von dem Ort entfernt, wo wir aufgewachsen sind. Das gibt es also noch. Außerdem gibt es noch ein paar Bands und Labels, die man zur Hardcore-Szene zählen könnte. Dennoch denke ich, die Szene war vor vier oder fünf Jahren aktiver als heute. Aber das ändert sich ja ständig.
Seid Ihr in irgendwelche DIY-Aktivitäten involviert, auf die Ihr gerne aufmerksam machen möchtet?
Richard und unser freund Torgeir betreiben zusammen das Label Great Northern Records. Check it out!
Was können wir als nächstes von Euch erwarten?
Ehrlich gesagt, weiß ich das gerade noch gar nicht. Wir werden vermutlich recht bald neue Songs schreiben. Vielleicht für ein neues Album im kommenden Frühjahr. Außerdem wollen wir ein paar Shows in Norwegen spielen. Bisher ist nichts entschieden, aber mit uns ist weiter zu rechnen.
Julius Stiebert