Als Bridge Nine das Defeater-Debüt "Travels" wiederveröffentlicht hat, sorgte die Scheibe für Begeisterung in der Presse und unter Hardcore-Fans. Mit "Lost Ground" hat die Band nun noch einen drauf gesetzt. Wieder handelt es sich um eine vertonte Geschichte. Die Verbindung zwischen dem emotionalen Sound, den Lyrics und der Art und Weise, wie diese vorgetragen werden, macht "Lost Ground" dabei fast zur perfekten (Hardcore-) Platte. Wir haben Defeater-Gitarrist und -Produzent Jay ein paar Fragen geschickt.
Wie schon bei "Travels" habt ihr Euch für "Lost Ground" entschieden, eine Geschichte zu vertonen. Wie seid Ihr erstmals auf diese Idee gekommen?

Ich wollte so etwas schon sehr lange mit einer Band umsetzen. Unser Sänger Derek ist ein großartiger Texter und er war von der Idee begeistert. Als wir also Defeater gegründet haben und Derek mit an Bord kam, sah es danach aus, als sollten wir versuchen, dieses Konzept umzusetzen.
Werdet Ihr das Konzept in Zukunft beibehalten oder ist das noch nicht entschieden?
Stay tuned! Wir reden ständig über die Zukunft unserer Band. Wir haben eine ziemlich gute Idee, was mit allem geschehen wird. Aber zu diesem Zeitpunkt können wir darüber noch nicht öffentlich sprechen.
Warum habt Ihr euch entschieden, die Geschichten in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg anzusiedeln?
Ehrlich gesagt finde ich diese Zeit faszinierend. Post-WWII wird als die Zeit des amerikanischen Wohlstandes angesehen und dennoch gab es soviel Ungleichheit in unserem Land. Auf "Lost Ground" geht es um diese verschwommene Grenze zwischen Amerikanern unterschiedlicher Herkunft.
Wo seht Ihr selbst den Unterschied zwischen "Travels" und "Lost Ground"?
Musikalisch gesehen in der Dynamik der Alben. Bei "Travels" gibt es ein paar nette Stellen, an denen es leiser wird, aber "Lost Ground" ist fokussierter. Wir haben verschiedene Schichten hinzugefügt und andere aus dem Sound entfernt. Ich habe mehr cleane Gitarren auf "Lost Ground" benutzt und wir haben nicht versucht, ganz so viele Lyrics hineinzuquetschen. Das Ganze sollte etwas atmen können.
Als Bridge Nine "Travels" veröffentlicht hat, kamt ihr wie aus dem Nichts. Und dennoch werdet ihr bereits als eine der besten aktuellen Hardcore-Bands angesehen. Wie fühlt sich das für Euch an?
Das ist natürlich positiv. Es ist aber wichtig, dass die Leute verstehen, dass wir nur eine Band sind. Wir lieben es, Musik zu machen und ich sehe meine Musik ganz klar als Kunst an. Es ist cool, als eine der besten Hardcore-Bands angesehen zu werden und es gibt kein Label, das uns Fans verpassen könnten, das mich stören würde. Wir lieben einfach, Musik zu machen und Platten zu veröffentlichen. Es ist auch das einzige, von dem wir wissen, wie es funktioniert.
Du hast die EP selbst aufgenommen. Ist es wichtig für Euch, die Kontrolle über Eure Arbeit zu behalten oder würdet Ihr auch mit einem anderen Produzenten arbeiten?
Es ist gut, die totale kreative Kontrolle zu besitzen - manchmal aber auch sehr stressig. Wir sind vom ersten Konzept bis zum fertigen Produkt komplett eingebunden. Wir haben unsere Musik nie geändert, neu geschrieben oder arrangiert. Dieses "go lay down some tracks"-Konzept funktioniert für uns einfach nicht. Wir probieren verschiedene Ideen aus, bis wir die finden, mit der wir glücklich sind. Dann versuchen wir, diese zu perfektionieren. Niemand von uns hängt zu sehr an seinem eigenen Part, es ist mehr eine Arbeit in der Gruppe, um das bestmögliche Endergebnis zu erzielen - egal was wir dafür tun müssen.
Andy ist Mitbesitzer von Greenvans. Was ist das Konzept dieser Firma?
Es ist ein weiterer Fall von "es braucht nicht viel, um deinen Teil beizutragen". Greenvans verleiht Vans, die recycelte Kraftstoffe wie altes Pflanzenöl tanken. Sie konnten ihre Flotte vergrößern und es ist nett, die Kombination aus Umweltethik und unternehmerischem Geist zu sehen.
Gibt es noch etwas, was ihr in der oder um die Hardcore-Szene herum macht?
Ich nehme jedes Jahr ein paar Platten mit Hardcore-Bands auf. Ausßerdem versuchen wir eine gute Atmosphäre auf unseren Konzerten zu erzeugen. Ich toleriere ganz sicher keine Idioten auf unseren Shows, die zeigen müssen, wie gut sie Mädchen ins Gesicht schlagen können, während sie tanzen...
Bisher wart ihr nur für einen kurzen Abstecher in Europa. Steht da mit der EP nun mehr an?
Wir kommen im April und Mai nach Europa! Ich freue mich sehr darauf. Es verspricht gutes Wetter und noch bessere Zeiten.
Eure EP ist noch frisch. Dennoch: Gibt es schon Pläne für eine weitere Platte?
Absolut! Wir haben schon damit begonnen, sie zu schreiben. Ich werde alt, ich kann es mir nicht erlauben, dass das zu lange dauert, ich könnte sterben...hahahah.
Julius Stiebert