Neues Album, neue Glanzleistung: Während andere Bands mit den Jahren ihr gutes Händchen für tolle Songs und noch tollere Melodien verlieren, werden die Peacocks mit zunehmendem Alter tatsächlich immer besser. Ihr neues Werk "After All" strotzt nur so vor eingängigen Hits und schöpft musikalisch zudem mal wieder aus dem Vollen - von Punk über Rockabilly bis Pop ist alles dabei. Zeit also, Sänger Hasu mal wieder persönlich zu befragen.
"After All" - der Name des neuen Albums sowie des Album-Openers - klingt so ein bisschen wie eine Zusammenfassung von alldem, was Ihr schon alles erlebt hat. War die neue Platte für ein Anlass, mal einen Blick zurück zu werfen auf all das, was schon passiert ist bei den Peacocks?

Na ja "After All" lässt so Einiges an Interpretationen und Bedeutungen zu, und den Namen eines Songs als Plattentitel zu wählen ist auch nicht das Falscheste. Als Band einen Blick zurück zu werfen ist auch manchmal von Nöten. Natürlich latscht man vorwärts, aber macht man so ne Musik wie wir, ist ein zuweites Entfernen von den Wurzeln nicht unbedingt ideal. Musikalisch haben wir also auch ein wenig zurückgeschaut
Insgesamt klingt das neue Album ein gutes Stück nachdenklicher, zumindest für Eure Verhältnisse - das Titelstück, "Lean On Me", "Not Your Man" und einige mehr sind durchaus melancholisch. Gewollt oder einfach so passiert?
Im Normalfall passieren Songs einfach. Also so das Grundgerüst. Danach schau ich halt was meiner Meinung nach zum Groove oder der Melodie passt. Das mit dem "Nachdenklich" seh ich persönlich nicht so extrem. Gab's das nicht schon auch auf früheren Platten? Aber ist ja auch cool, wenn andere Leute was anderes heraushören oder reininterpretieren können. Als Band und Songwriter hat man halt nen anderen Zugang. Aber klar ich versteh was du meinst. Kommt wohl daher, dass viele Texte so halb-autobiografische Züge aufweisen.
Was ich persönlich an Euch mag ist diese unglaubliche Vielseitigkeit - wo andere Rockabilly-Bands ihren Sound kaum variieren, fließen bei Euch unglaublich viele Stile in die Songs ein. Hat Euch das über die Jahre eigentlich auch Nachteile beschert - etwa, weil Ihr einigen Rockabillys nicht puristisch genug seid?
Ich persönlich find Rockabilly grundsätzlich grossartig, aber nach ein paar Songs halt auch ein wenig langweilig, da die Abwechslung bei den Songstrukturen und Harmonien fehlt. Wir haben uns allerdings von Beginn an nie als Rockabilly Band gesehen. Das ist nur einer unserer Haupteinflüsse. Ich sag mal, bei drei Vierteln unserer Songs gehts jeweils darum ne Nummer zu schreiben, die auch bei anderen Bands aus anderen Genres funktionieren könnten. Und wir spielen die dann halt mit unseren Mitteln. Als Nachteil seh ich das eigentlich nicht, oder nicht mehr, da man heutzutage ja dank Internet, Bands kurz anhören kann, bevor man blind aufs Konzert geht nur weil man irgendwo was von Rockabilly gelesen hat. Sprich die Leute wissen ja, dass wir nicht pur dies-oder-das machen.
In den letzten drei Jahren habt Ihr ja laut eigenen Angaben 300 Shows gespielt. Gibt es da nicht Momente, in denen man einfach keinen Bock mehr hat?
Ja wir spielen so um die 100 Gigs jährlich, was aber auch nach mehr ausschaut als es eigentlich ist. Das mit dem kein Bock haben ist so ein komisches Ding. Du kannst das oft nicht Steuern, sprich am zweiten Tag einer 3 Wochen Tour hast du kein Bock aber danach ist alles wieder super. Es gibt einfach so kurze Momente wo du lieber was anderes machen würdest. So grad im Moment. Aber wir haben uns ja so organisiert dass es für uns passt. 100 Shows im Jahr ist genau ideal. Wir haben auch schon mal mehr gespielt, aber da war dann die eine oder andere Tour zuviel. Jetzt haben wir das so gedrosselt, dass es für uns stimmt. Man muss auch sehen, dass viele Amibands 300 Gigs im Jahr spielen. Da sind wir direkt faul dagegen.
Könnt Ihr Euch vorstellen, dass doch eines Tages der Moment kommt, wo Ihr gerne mehr Zeit zu Hause bei Freunden und Familien verbringen würdet? Oder ist Band so sehr das Zentrum Eures Lebens, dass das nicht passieren kann?
Das kann natürlich sein, das wird die Zukunft zeigen. Für mich, mach ich das aber eher von der anderen Seite abhängig. Will heissen, werden die Gigs schlechter, wir als Band scheisse und es kommt uns nix mehr in den Sinn oder werden einfach zu Alt für alles, dann werd ich wohl mein Leben anders gestalten.
Mit dem richtig großen Durchbruch hat es ja nie geklappt, reich und wirklich berühmt seid Ihr noch nicht. Aber während andere Bands sich dann irgendwann frustriert auflösen, weil sie nicht wirklich von der Muisik leben können, seid Ihr auch nach 20 Jahren noch voll motiviert dabei. Meiner bescheidenen Meinung nach werden die Platten sogar jedesmal besser, von Ermüdung keine Spur. Was ist
Euer Geheimnis?

Zum einen definieren wir "Durchbruch" ein wenig anders. Wir sind eigentlich viel weiter gekommen, als wir uns jemals erträumt haben, so gesehen haben wir den grossen Durchbruch ja geschafft. Aber eben, wirhaben uns nie gross Gedanken gemacht, Ziele gesetzt und Scheisse mitgemacht, nur um berühmter zu werden. So wurden wir auch nicht enttäuscht. Ausserdem denken wir immer mal wieder an die Anfangszeiten zurück, bzw an die Ursprungsidee der Band. In Proberaum runter gehen, paar coole Songs spielen und hin und wieder ein Konzert. Das ist was wir gerne machen und das haben wir auch erreicht. Alles andere ist Bonus. Frustriert bist du eher dann wenn du dich auf anderen Ebenen voll reinkniest. Video da, Promotermine hier, Showcase trallalla, Manager und Labelversprechungen. All so ein Zeugs. Wenn dann nichts passiert kackts dich an.
Das Vinyl sowie die ITunes-Version von After All enthalten je 1 Bonustrack. Beim Vinyl versteh ichs, aber wieso bekommen Käufer der Downlaods einen Song mehr als die CD-Käufer?
Gute Frage, versteh ich so jetzt auch nicht. Vielleicht wollen wir so mithelfen, den Untergang der CD zu beschleunigen? Aber ist ja egal. Muss halt der CD käufer den einen Song noch runterladen. Wobei der
Bonussong jetzt auch nicht der Überhit ist.
Inwiefern berührt Euch eigentlich der Niedergang der Musikindustrie? Spürt Ihr das selber bei CD-Verkäufen, Labelsupport etc, oder macht das kaum einen Unterschied?
Wir spüren das nicht direkt. Wohl auch, weil wir heutzutage ein viel besseres Label haben wie früher. Das gleichts dann aus. Aber indirekt merkt mans schon. Man hört und liest das gejammere und vielschlimmer für uns: hat man noch Zeit auf Tour für einen Stadtbummel und will in einen Plattenladen, gibts den nicht mehr.
Hat sich denn Eure eigene Art, Musik zu konsumieren, über die letzten Jahre verändert?
Ja klar. Heutzutage hör ich so allerhand, wir wagen uns auch mal an den einen oder andern Klassiker ran und früher eher nur so Zeugs aus bestimmten Genres. Oder meinst du jetzt so runterladen und Ipod-Krempel? Ich leg immer noch Platten auf und kauf auch welche. Allerdings bei Neuheiten bin ich vorsichtiger geworden, hör mir das evtl mal am Computer an, und schau später ob ich das jetzt noch kaufen
will. Es gibt ja soviel Musik heutzutage. Auch viel gutes, nur hab ich manchmal Mühe die Spreu vom Weizen zu trennen.
Was steht in nächster Zeit so an? Viele Touren, nehme ich an?
Ach ja, bisschen Touren hier und da England erst mal, Spanien auch noch. Vereinzelte Festivals und im Herbst/Winter dann wieder Deutschland.
Tito Wiesner