Jamey Jasta


Energie verteilt auf 1,60 Metern: Eigentlich kennt man Jamey Jasta vor allem als Frontsau der Band Hatebreed. Doch der Unruhegeist aus New Haven hat nebenbei auch bei Kapellen, wie Kingdom Of Sorrow und Icepick die Finger am Mikro. Jetzt zeigt Jasta mit seinem gleichnamigen Solo-Debüt, dass er sich auch auf Solopfaden bestens zu bewegen weiß.

Das Wichtigste zu Erst: Wie kamst du auf die Idee, eine Solo-Platte einzuspielen?

J: Zuerst einmal sehe ich es nicht wirklich als Solo-Platte, sondern mehr als persönliches Projekt. Ich habe mich einfach mit ein paar Freunden von Kingdom Of Sorrow, der Skate-Legende Mike Vallely, Randy und Mark von Lamb Of God und Nikki von Toxic Holocaust getroffen und ein bisschen Musik gemacht. Es war nicht immer einfach, alle unter einen Hut zu bekommen...Aber es hat dann doch irgendwie funktioniert. Nikki war hierfür besonders wichtig. Er übernahm alle Drum-Parts und den Job des Toningenieurs. Aufgenommen wurde das gesamte Material in seinem Studio, dass nur 20 Minuten von meinem Haus entfernt ist. Für „Jasta“ gab es keinen Druck und keine große Erwartungshaltung von außen. Trotzdem wollten wir natürlich austesten, ob sich die Leute für die Platte interessieren. Deswegen haben wir es dann einfach diesen Frühling beim „South By Southwest Festival“ in Texas ausprobiert. Alle wichtigen Labels waren an diesem Tag vertreten und wollten die Platte sofort machen. „Jasta“ wird jetzt weltweit veröffentlicht.

Wie würdest du die Beziehung zwischen Hatebreed und deinem Solo-Projekt beschreiben? Versuchst du an den Erfolg anzuschließen?

J: Nein, für mich ist „Jasta“ wie gesagt nur ein Projekt. Ich wollte einfach mal etwas anderes ausprobieren. Die Platte ist nicht homogen und unterscheidet sich von den Hatebreed-Alben durch die vielen Melodien und Gast-Musiker. Jeder Song drückt etwas anderes aus. Es hört sich schon fast wie meine eigene Kompilation an. Ich habe wirklich nur Lieder auf die Platte gelassen, die ich auch wirklich zu einhundert Prozent vertreten kann. Da gab es keine Kompromisse. Unsere Fans wollen nicht, dass sich Hatebreed großartig verändert und weil ich nun mal die meisten Songs schreibe, bleibt da kaum Raum für Experimente. Genau das ist aber „Jasta“ für mich. Mein eigenes Experiment

Musst du, wenn du Musik machst in einer bestimmten Stimmung sein oder gibt es da eine Inspirationsquelle für dich?

J: Sowas gibt es bei mir eigentlich nicht. Ich höre einfach nur extrem viel Musik von Bands, die ich liebe und mit denen ich aufgewachsen bin. Ich muss Musik und Lyrics immer gleich abspeichern, wenn mir plötzlich etwas einfällt. Auch bei der Jasta-Platte habe ich jeden Gitarren-Riff sofort aufgenommen und jede Textzeile notiert, damit ich sie nicht vergesse. Erst wenn etwas dann wirklich Bestand hatte, bin ich damit ins Aufnahmestudio gegangen.

Du bist mit Hatebreed fast das gesamte Jahr auf Tour. Wie sieht ein Tag im Leben des Jamey Jasta aus, wenn er nicht gerade auf Tour ist?

J: Ich habe ein eigenes Haus, ein paar Hunde und eine 12jährige Tochter. Zu Hause ist also immer was los. Das Leben dort unterscheidet sich natürlich extrem von dem auf Tour. Manchmal habe ich sogar das Gefühl so eine Art Doppelleben zu führen. Die Zeit unterwegs ist einfach verrückt. Du wachst jeden Morgen in einem anderen Land auf und fragst dich schon gar nicht mehr wo du eigentlich gerade bist. Jeden Abend spielst du dann vor hunderten von Fans und machst so ganz nebenbei noch Fotoshootings und Video-Drehs. Nebenbei habe ich auch noch eine eigene Klamottenfirma namens „Hatewear Inc.“, die natürlich ebenfalls betreut werden muss. Wenn du dann zu Hause bist, schaltest du dich selbst aus. Das Beste Mittel sich zu entspannen, ist herumzureisen und die Familie zu besuchen. Meine Schwester hat drei Kinder und die wollen ja auch unterhalten werden.

Hast du eigentlich nie Angst bei deinem extremen Pensum irgendwann mal komplett auszubrennen?

J: Circa alle zwei Jahre habe ich so eine Art „Burn-Out“. Dann mache ich eine längere Pause. Die Letzte habe ich gerade erst hinter mir. Jeder von uns war 6 Monate zu Hause und konnte sich entspannen. Man muss in regelmäßigen Abständen seine Batterien aufladen. Die Balance zwischen Ruhe-und Stress-Phasen ist hierbei das Wichtigste! Wenn du dann gestärkt wieder unterwegs bist, bringt dich die Musik zu deinem anderen Leben und den Fans zurück.

Dir gehört das Plattenlabel “Stillborn Records“. In der Vergangenheit hat Hatebreed ja nicht so gute Erfahrungen mit dieser Institution gemacht. Konntest du daraus etwas lernen.

J: Ja auf jeden Fall. Wenn du mit dem Kopf nicht ganz da bist und die Leidenschaft fehlt, sollte man es sein lassen. Deswegen habe ich im letzten Jahr während ich auf Tour war, auch keine Platten über das Label herausgebracht. Ende diesen Jahres werden wir aber wahrscheinlich ein paar Alben veröffentlichen.

Wie sind der Hardcore und du eigentlich zusammengekommen?

J: So richtig mit Musik beschäftigt, habe ich mich glaube ich ab 1987. Mein Cousin hörte damals viel progressive Musik, Metal und spielte in verschiedenen Bands. Das hat mich damals mit zehn Jahren schon sehr beeindruckt. Im gleichen Jahr fuhr ich in den Ferien in ein Camp. Dort gab es so einen Guard, der ein riesen Fan von Judge, Minor Threat und von Youth Of Today war. Der Typ brachte mich zum ersten Mal mit Hardcore in Berührung. 1992 habe ich dann meine erste Band ins Leben gerufen. Das war auch ein wichtiges Jahr für unsere Szene. Biohazard, Agnostic Front und Sick Of It All brachten zu der Zeit Platten raus, die uns beeinflussen sollten. Heute darf ich die Bühne mit solchen Legenden teilen, die früher an meiner Zimmerwand hingen. Das ist schon unglaublich.

Wie hast du die Veränderungen der Hardcore-Szene innerhalb der letzten zehn Jahren mitbekommen?

J: In den USA ist die Hardcore-Szene definitiv viel kleiner geworden. Leute wachsen aus der Sache heraus und Kids, die früher auf unsere Musik standen, hören jetzt lieber Emo. Auf der anderen Seite, gibt es aktuell aber auch wieder viele Bands, wie zum Beispiele Wisdom In Chains und Trapped Under Ice, die zeigen, dass es auch wieder aufwärts geht.

Im Laufe deiner Karriere hast du mit Hatebreed alles erreicht, was man mit einer Hardcore-Band überhaupt erreichen kann. Gibt es für dich überhaupt noch Ziele im Leben?

J: Wenn wir heute entscheiden würden, die Band aufzulösen, könnten wir wirklich sagen, dass wir alles in diesem Genre geschafft haben. Aber es ist immer wichtig, sich neue Ziele zu setzte. Solange noch Nachfrage besteht, kommen wir immer wieder zurück. Wir sind in einer sehr glücklichen Position und ich bin dafür sehr dankbar. Ein Traum von Hatebreed ist es zum Beispiel einmal mit Metallica auf Tour zu gehen. In Amerika sind sie schon mit Bands, wie Volbeat, Machine Head und Lamb Of God unterwegs gewesen. Jetzt kommen wir mal an die Reihe. Außerdem plane ich in ein paar Jahren ein Buch zu veröffentlichen, indem erzählt wird worauf es in der Musikbranche ankommt, wenn man als Band durchstarten will.

Interview: Natascha Siegert

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24.07.2011



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