Leopardenfelle sind im Moment total angesagt. Zumindest, wenn es nach den Wohlstandskindern geht, einer der wohl am meisten unterschätzten Bands hiesiger Breitengrade. Da liegt es nahe, das Cover auch im stilvollen Leopardenlook zu gestalten. Trend ist allerdings nicht der einzige Grund.

"Wenn Du Dir die deutsche Punkszene mal anschaust und dann ständig irgendwelche Schwarz-Weiß Cover mit Kotzeflecken darauf in die Hand bekommst, wird das ja irgendwann langweilig. Bei uns gibt es dann zur Abwechslung einige schöne Dinge, mal eine rote Rose oder eben ein Leopardenfell" erklärt mir Honululu Silver, bei den Kindern verantwortlich für den Gesang, das Artwork.
Aber der Vergleich hinkt natürlich. Schließlich bieten Silver, Türk Travolta (Gitarre), Raki (Bass) und Don Ludger de la Cardeneo (Drums) alles andere als den Deutschpunk-Enheitsbrei solcher Bands wie Anal Terror oder Schleimkeim. Kotzeflecken würden dem melodischen, sehr poppigen Punkrock der vier also in keinster Weise gerecht werden. Stattdessen wurde man schon desöfteren mit Bands wie den Ärzten oder Wizo verglichen, und diese Parallelen sind zumindest für Don auch alles andere als ein Problem: "Ich kann ja nur für mich sprechen, aber die Ärzte waren und sind für mich absolute Götter, die machen können was sie wollen und trotzdem immer fantastische Musik produzieren."

Der Durchbruch, der ihnen nun schon seit Jahren von Musikpostillen aller Art vorrausgesagt wurde, ist aber immer noch nicht geschafft, und keiner weiß so genau, woran es liegt. Trotz wohl vorhandener Angebote seitens größerer Plattenfirmen, das beschauliche Label Vitaminepillen zu verlassen um so vielleicht einem größeren Kreis von Hörern bekannt zu werden, steht diese Option allerdings überhaupt nicht zur Debatte. Türk erklärt warum: "Als wir damals Poppxapank aufgenommen haben, hat uns Vitaminepillen völlig freie Hand gelassen. Sie haben uns das Album alleine aufnehmen lassen, und erst, nachdem es aus dem Presswerk rauskam haben sie es sich angehört und ihre Meinung dazu gesagt. Ich glaube, dass zeigt ganz gut, welche Freiheiten wir hier haben und wie fair wir behandelt werden."
Zudem scheinen die Bands auf Vitaminepillen auch so eine Art Familie zu bilden, da man sich untereinander kennt und auch meistens zusammen tourt. Das hat natürlich den Nachteil, das man sich auch auf einen bestimmten Publikumskreis fixiert. Bemühungen seitens der Band, diesen Zustand zu ändern, bestehen allerdings nicht. Silver: "Erstmal ist es ja so, dass wir gar nicht so viele Bands kennen. Wir sind halt nicht in der Position, dass wir auf irgendwen zugehen können und sagen: Hey, ihr seit doch große Stars, nehmt uns mal mit auf Tour. Ab und zu werden schon größere Bands auf uns aufmerksam wie etwa die Terrorgruppe, die wir auf einem Großteil ihrer Tour supporten. Die haben unser neues Album gehört und waren anscheinend recht angetan davon. Aber davon mal ganz abgesehen macht es einfach riesigen Spaß, mit unseren Labelmates zu touren. Warum sollten wir also etwas daran ändern?"

Auch wieder wahr. Bleibt nur zu hoffen, dass die Kinder dennoch bald über ihren Undergroundstatus hinauswachsen. Zwar sind sie "absolut zufrieden, so wie das alles im Moment läuft, weil alles einen Riesenspaß macht", versichert mir Silver. Aber bei dem Potential der Band und der Bandbreite der Songs, angefangen bei partytauglichen Ska-Punk-Nummern wie "Roter Luftballon" über Balladen wie "Klischee" oder Melodycore-Smasher wie "Jemand" hätten sie es einfach verdient, dass nun auch mal die Verkaufszahlen in höhere Regionen vorstoßen. Wer also keine Angst vor der deutschen Sprache hat und gute Musik zu schätzen weiß, sollte schleunigst den Plattenladen seines Vertrauens aufsuchen und das neueste Werk "En Garde" mal probehören. Ihr wisst ja, das Album ist ganz leicht zu finden: Immer nur nach dem Leopardenfell Ausschau halten!
Tito Wiesner, Robin Brauer